玩出精彩的汉字:“玩”——选自《孔子学院》中德文对照版
2025-07-24
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“周末来找我玩呀!”
曾几何时,在人们还通过短信联络的时代,这样一则亲切的信息曾闪现在我的手机上。发信人是我的语伴云云,一位刚来德国留学的上海姑娘。“中国人到底喜欢玩些什么?”我不禁好奇。虽然我对麻将、围棋,或者中国象棋皆一窍不通,但无论如何不愿扫了人家的兴致。于是,那个周六的下午,我准时来到学生公寓门前,准备“玩”。结果大大出乎我的意料:迎接我的不是棋盘,而是砧板;不是骰子,而是豆腐块。原来我们要“玩”的是热气腾腾的火锅。难道在中国,享受美食也算是一种游戏?我感觉被中文幽默了一回。
字典释义中的“玩”
事后回想起来,正是像这个小插曲一样的种种神奇的误解,将语言学习引至更深层次的理解。导致这场乌龙的“幕后黑手”原来是“玩”这个不起眼的汉字。我的语伴其实只是按照字典的原义将它翻译为“spielen”,而我在学习中也并未对这个字加以深究。不同于德语,中文里的“玩”在日常生活中有着广泛并丰富多彩的含义。“玩”,或者北京话中的“玩儿”,是一个语义包罗万象的字,几乎涵盖了所有形式的娱乐、散心、解闷和打发时间的活动,因此除了“玩”的基本含义外,它还可以指“取乐”“享受”和“消遣”。围炉涮肉的午后时光自然也囊括其中。
然而,这个毫不起眼的“玩”字,作为汉语中一千个最常用的汉字之一,也是历经数百年才衍生出如此丰富而有趣的涵义的。根据东汉时期(公元25-220)的第一部汉字字典《说文解字》的解释,“玩”最初仅指用手摩挲物件,尤指把玩玉石。中国人于三千多年前首次将它刻入甲骨文时,这个字由指代玉石的“玉”和表音的“元”组成。当时,其语言应用范围仍颇为局限。只是随着时间的推移,“玩”才在日常用语中拓展出广阔的语义领域。在现代日常用语中,“玩”泛指从事物中得到乐趣的行为。
中文里的“玩”指的是各种形式的娱乐。张家界国家公园里自然风光的视频和照片显然也属于这一类。
Das chinesische Wort für »spielen«, wán, meint Vergnügungen aller Art. Videos und Fotos von der landschaftlichen Schönheit des Zhangjiajie Nationalparks gehören definitiv auch dazu.
成人“玩”世界
更耐人寻味的是:由于“玩”这个字的广泛使用,汉语中模糊了孩童游戏与成人世界的概念之间的界限。“玩”远不止是孩童的游戏(“孩子正在玩”),还包括成人世界的社交游戏和运动项目(“玩游戏”“玩桌游”“玩电脑游戏”“玩球”)。它包罗万象,囊括了一切令人愉悦的消遣。
因此在中文语境里,不仅是小孩,大人的日常也在“玩”中度过。难怪去别人家做客时,常用的告别语是“有空来玩啊!”星期一上班,办公室的同事看到一脸困倦的我,会问:“周末去玩儿了吗?”用德国人的耳朵解码,就是“周末参加什么活动了?”或者“你周末出门了吗?”
谈到旅行,中国人更是“玩”不离口。在小红书等社交媒体平台搜索城市旅游攻略,常会撞见“青岛怎么玩?” 这样的标题,实则表达的是“如何尽享青岛之旅?”根据天气和时节的不同,中国人会利用假期享受各种不同的乐趣,比如去宁夏“玩沙子”,即参与滑沙(乘滑沙板从沙山顶疾速滑下)、骑骆驼等活动,或仅仅只是到沙漠中自拍。而在中国南方的三亚,人们则“玩水”,例如游泳、冲浪、潜水或水上摩托。“玩水”的目的地还包括奇特的水文景观,如桂林风景如画的漓江,或四川九寨沟自然保护区内翠绿的湖泊和溪流。在这样的景区漫步和拍照,在语言上也被归入“玩水”的范畴。到了冬季,自然要“玩冰”和“玩雪”,这在中国的东北地区尤为盛行,人们滑雪、溜冰,欣赏哈尔滨著名的冰雕。
在中文中,兴趣爱好也常被赋予“玩”的色彩。摄影发烧友说“玩摄影”,DIY爱好者说“玩手工”,音乐爱好者说“玩乐器”,炒股则是“玩股票”。不过说到底,这和我们在德国没什么两样,普罗大众最热衷的,还是天天“玩手机”,“玩小红书”,“玩抖音”等应用程序。
然而,在人际交往领域,中国人对“玩弄把戏”同样深恶痛绝。这种态度在中文里体现为一系列带有贬义的表达:“玩人”意为戏耍他人,“玩心眼”指耍心机使诈,而“玩女人”或“玩男人”则特指在感情上玩弄异性。碰到这种情形,最管用的莫过于直截了当地亮出底线:别玩我!用德语说就是:“Verkohl mich nicht!”(别拿我开涮!)
漫游“玩”宇宙
但凡在中国生活过的人都会发现:这种语言上的“玩”乐精神,早已渗透到日常生活之中。抑或反之亦然?无论如何,中国人的日常生活的确和他们的语言一样,充满了“玩”乐气息:城市公园里,大叔们“玩扑克牌”,拍得折叠桌“啪啪”响;全国城乡各处,人们在毛毡台面上“打麻将”打得“哗哗”响。时尚大都市的商场中,必不可少的抓娃娃机,在各家店铺之间竞相闪耀着炫目的亮光。年轻人在购物间隙,会到迷你KTV里纵情高歌,唱得酣畅淋漓。自拍机吸引着潮人们大玩创意快照,从西兰花头套、兔子耳朵到菠萝太阳镜,各种搞怪道具任君挑选。而那些意犹未尽的玩家,则会转战商场顶楼的“游戏天堂”,各式游戏机令人眼花缭乱。
参加过中国企业职工运动会的人都会发现,“工作归工作,娱乐归娱乐”这句德国俗语在这里根本不适用。除了乒乓球、篮球这类“正经”的比赛项目外,员工们还会突然兴致勃勃地投入到“趣味毛毛虫”大赛这种成人版跳跳球的游戏中。平时稳坐办公椅的职员们纷纷转移到巨型充气毛毛虫上,以团队为单位蹦跳着竞赛。这项广受欢迎的大众运动,甚至拥有自己的百度百科词条。在中国的交友活动上,相亲者们则会嬉笑着玩“袋鼠跳”和“抢凳子”游戏,还会试图让尽量多的单身男女同时单脚站在一张报纸上,这情景会令旁观的德国人感觉自己仿佛回到了幼儿园。
在我的第二故乡北京,只要稍加留意,便随时可以在某些(多为男性)市民的手掌间探寻到这种中国式“玩”乐精神的踪迹。许多老北京手中总是把玩着传统物件,他们称之为“玩手把件”,或者更文雅的说法是“文玩”。最受欢迎的当属核桃与葫芦把件,其次是木质手串或玉石。在北京胡同深处,人们至今仍在掌间摩挲着玉石,这与“玩”字最初的甲骨文意象形成奇妙的呼应。在结束这段“玩”宇宙漫游前,我想送上最后一条建议:在中国学习语言(或从事其他活动)期间,若有人邀您“来玩”,请务必答应!不妨期待未知的惊喜,谁知道最后会“玩”出什么精彩呢?
„Komm am Wochenende zu mir spielen.“ Dieses sympathische Sätzchen poppte einst auf meinem Handy auf, damals noch per SMS. Eingetippt hatte es meine Sprachpartnerin Yunyun, eine Chinesin aus Shanghai, gerade zum Auslandsstudium in Deutschland. Was die Chinesen wohl so spielen, fragte ich mich. Ich jedenfalls beherrschte weder Majiang noch Go noch chinesisches Schach, wollte aber auch keine Spielverderberin sein. Und so stand ich an jenem Samstagnachmittag pünktlich zur verabredeten Zeit auf der Matte im Studierendenwohnheim, um zu „spielen“. Am Ende erwarteten mich – zu meiner großen Überraschung – Küchen- statt Spielbretter und Tofuwürfel statt Spielwürfel. Es wurde nicht gezockt, sondern gebrodelt – nämlich feuriger Feuertopf. Galten in China am Ende gustatorische Genüsse als Gaming? Ich fühlte mich sprachlich hopsgenommen.
Wörterbuchkonform „spielen“
Im Nachhinein betrachtet aber war diese Anekdote eines dieser magischen Missverständnisse, die beim Sprachenlernen erst zu wirklich tieferen Einsichten führen. Als Strippenzieher hinter dem Gedankenstreich entpuppte sich nämlich das unscheinbare Wörtchen 玩 wán, das meine Tandempartnerin eigentlich ganz wörterbuchkonform mit „spielen“ übersetzt und über das auch ich mir beim Lernen bisher eher wenig Gedanken gemacht hatte. Doch anders als im Deutschen bespielt das chinesische „spielen“ im Alltag ein buntes, äußerst breitgefächertes Bedeutungsfeld. 玩 wán – oder im Pekinger Slang 玩儿 wánr – dient als semantisches Sammelbecken für quasi jede Form von Spaß und Bespaßung, Zerstreuung und Zeitvertreib, kann also neben seiner Grundbedeutung „spielen“ auch „sich amüsieren“, „sich vergnügen“ oder „Spaß haben“ meinen. Und das schließt natürlich auch Feuertopfnachmittage ein.
Dabei hat sich das unscheinbare Hanzi 玩, eines der 1000 meistgebrauchten Schriftzeichen des Mandarin, erst über die Jahrhunderte mit so viel Amüsement angereichert. Laut dem ersten Zeichenlexikon der chinesischen Schrift (《说文解字》 Shuōwén Jiězì) aus der Östlichen Han-Dynastie (25–220 n. Chr.), bezog sich 玩 wán nämlich anfangs nur auf die manuelle Behandlung von Objekten, insbesondere das Reiben von Jade. Als die Chinesen es also erstmals vor über 3000 Jahren in Orakelknochen einritzten – als eine Kombination aus 玉 yù für „Jade“ und dem Aussprachehinweis 元 yuán –, war das sprachliche Anwendungsfeld noch eng umzäunt. Erst im Laufe der Zeit eroberte sich 玩 wán im Alltagssprachgebrauch die breite semantische Spielwiese, die es heute beackert. Im modernen Alltagssprech steht 玩 wán quasi für die Freude an Dingen ganz generell.
Verspielte Erwachsenenwelt
Das eigentlich Interessante dabei: Im Mandarin verschwimmen durch die breite Anwendung des Wortes die gedanklichen Grenzen zwischen kindlich Verspieltem und Erwachsenenwelt. „Wán“ – das meint also nicht nur Kinderspiele (孩子正在玩 háizi zhèngzài wán, „die Kinder spielen gerade“) oder Erwachsenenableger wie Gesellschafts- und Sportspiele (玩游戏 wán yóuxì, „ein Spiel spielen“; 玩桌游 wán zhuōyóu, „ein Brettspiel spielen“; 玩电脑游戏 wán diànnǎo yóuxì, „Computerspiele spielen“; 玩球 wán qiú, „Ball spielen“), sondern eben Vergnügungen ganz generell.
Aus Sicht des Chinesischen spielen also nicht nur die Kleinen, auch die Großen spielen sich sprachlich durch den Alltag. Nicht umsonst lautet eine gängige Verabschiedungsfloskel bei Besuchen zu Hause: „Wenn du Zeit hast, komm zum Spielen!“ (有空来玩! Yǒu kòng lái wán!). Und im Büro fragen Mitarbeiter:innen gerne in meine müde Montagsmiene: „Warst du am Wochenende spielen?“ (周末去玩儿了吗? Zhōumò qù wánr le ma?). Entschlüsselt für deutsche Ohren: „Hast du am Wochenende etwas unternommen?“ oder „Warst du am Wochenende auf Achse?“.
Insbesondere das Thema Reisen geht man in China sprachlich verspielt an. Wer auf Social-Media-Plattformen wie RedNote (小红书 Xiǎohóngshū) nach Tipps für Städtetrips sucht, wird auf Headlines wie diese stoßen: „Wie (be)spielt man Qingdao?“ (青岛怎么玩? Qīngdǎo zěnme wán?). Will heißen: Wie holt man den meisten Spaß aus einem Qingdao-Besuch heraus? Und je nach Witterung und Jahreszeit vergnügen sich die Chines:innen dann im Urlaub in allen Elementen: In Ningxia zum Beispiel spielt man mit Sand (玩沙子 wán shāzi). Gemeint sind Events wie mit Schlitten Sanddünnen herunter zu sausen, Kamelreiten oder einfach Selfies in sandiger Wüstenkulisse. Im südchinesischen Sanya dagegen spielt man mit Wasser (玩水 wán shuǐ), zum Beispiel beim Schwimmen, Surfen, Tauchen oder Jetski. Zu den Wasserspieldestinationen zählen aber auch besondere Wasserlandschaften wie etwa der malerische Li-Fluss in Guilin oder die smaragdgrünen Seen und Bachläufe im Naturschutzgebiet des „Tals der neun Dörfer“ (九寨沟 Jiǔzhàigōu) in Sichuan. Wer hier flaniert und fotografiert, fällt sprachlich nämlich auch unter die Kategorie der Wasserspielenden. Und im Winter, klar, da spielt man mit Eis (玩冰 wán bīng) und Schnee (玩雪 wán xuě), vornehmlich in Chinas Nordosten, etwa beim Skifahren und Schlittschuhlaufen oder beim Bestaunen der berühmten Eisskulpturen in Harbin.
Spielerisch reitet man in China sprachlich gesehen auch Steckenpferde wie Fotografie (玩摄影 wán shèyǐng), DIY und Basteln (玩手工 wán shǒugōng), das Spielen von Instrumenten (玩乐器 wán yuèqì) oder das Zocken am Aktienmarkt (玩股票 wán gǔpiào). Aber natürlich daddelt das Gros der Bevölkerung – ganz wie in unseren Breiten – Tag ein Tag aus viel am Handy herum (玩手机 wán shǒujī) und vergnügt sich zum Beispiel mit Apps wie RedNote (玩小红书 wán Xiǎohóngshū) oder Douyin (玩抖音 wán Dǒuyīn).
Im Zwischenmenschlichen ist dagegen auch in China das Spielen von Spielchen verpönt. Sprachlich spiegelt sich das in abschätzigen Ausdrücken wie „Spielchen mit jemandem treiben“ (玩人 wán rén), „abgekartete Spielchen spielen“ (玩心眼 wán xīnyǎn) oder „mit Frauen/Männern spielen“ (玩女人 wán nǚrén beziehungsweise 玩男人 wán nánrén). Da helfen letztlich nur klare Ansagen der Spielregeln à la: 别玩我! Bié wán wǒ!, auf gut Deutsch: „Verkohl mich nicht!“
Reise durch das Wán-iversum
Wer schon einmal in China war, der weiß: Die sprachliche Verspieltheit färbt auch auf den Lebensalltag ab. Oder umgekehrt? Feststeht jedenfalls, dass es im chinesischen Alltag genauso wie in der Sprache ziemlich verspielt zugeht. In städtischen Parks knallen Kerle Pokerkarten auf klapprige Klapptische (玩扑克牌 wán pūkèpái) und landauf landab schieben die Menschen Majiang-Steine klackernd über den Filz (打麻将 dǎ májiàng). In den Einkaufszentren der hippen Metropolen blinken und glitzern derweil standardmäßig Plüschtier-Greifautomaten (抓娃娃机 zhuā wáwajī) zwischen den Läden um die Wette. Und die Jugend singt sich in den Shopping-Pausen in Mini-Karaoke-Kabinen (迷你KTV mínǐ KTV) die Seele aus dem Leib. Fotoautomaten (自拍机 zìpāijī) laden Ausgeflippte zu verspielten Sofortschnappschüssen ein, je nach Gusto wahlweise mit Brokkolimütze, Hasenohren oder Ananassonnenbrille. Und wer dann noch immer keinen Game-Overkill hat, für den geht es weiter in die Spielhölle im Obergeschoss, wo man sich an allen möglichen Spielautomaten (游戏机 yóuxìjī) austoben kann.
Wer schon einmal auf einem Betriebssportfest in China war, wird gewahr: Von wegen Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Denn neben „konservativen“ Disziplinen wie Tischtennis oder Basketball misst sich das Kollegium hier plötzlich ganz außer Rand und Band auch im Raupenhüpfen (趣味毛毛虫 qùwèi máomaochóng) – eine Erwachsenenversion des Hüpfballs, bei der Angestellte vom Bürosessel auf einen aufblasbaren, überdimensionierten Gummiwurm umsatteln und in Teams um die Wette hopsen. Ein populärer Volkssport, der es sogar zu einem eigenen Eintrag in der Online-Enzyklopädie 百度百科 Bǎidù bǎikē gebracht hat. Und bei chinesischen Datingevents mag sich manch deutscher Zaungast in Kindertage zurückversetzt fühlen. Nämlich dann, wenn die Heiratswilligen kichernd zu Sackhüpfen und „Reise nach Jerusalem“ ansetzen oder versuchen, möglichst viele Singlefüße auf einem einzigen Stück Zeitung unterzubringen.
Und wer ganz genau hinsieht, wird die Spuren der chinesischen Verspieltheit in meiner Wahlheimat Peking bei manchem (meist männlichen) Mitbürger sogar fast rund um die Uhr in der Hand entdecken. Dort nämlich däumeln viele alteingesessene Pekinger traditionelles Handspielzeug: „mit Handspielzeug spielen“ (玩手把件 wán shǒubǎjiàn), auch bekannt als „kultiviertes Spiel(zeug)“ (文玩 wénwán). Besonders beliebt sind getrocknete Wallnüsse oder Flaschenkürbisse, aber auch Holzperlenketten, oder: Jadesteine. In Pekings Hutonggassen wird also tatsächlich noch Jade in der Hand gerieben, womit sich der Kreis zu den Ursprüngen des Zeichens 玩 auf magische Weise schließt. Bleibt zum Abschluss der Reise durch das Wán-iversum nur noch der Ratschlag: Sollte Sie im Laufe Ihres Sprachstudiums (oder auch sonst) jemand in China zum Spielen einladen, sagen Sie: Ja! Und lassen Sie sich einfach überraschen, wo am Ende dann die Musik spielt.
