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中国书法漫谈(之三):从书体看笔法,以笔法通书体——选自《孔子学院》中德文对照版

2025-07-19

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前面两讲重在介绍中国书法史的逻辑,即书法艺术以汉字的笔画和结构为基础,以线条为表现力,线条的质量依赖于笔法的训练。元代赵孟頫指出“用笔千古不易,结字因时相传”。“用笔”就是笔法(含运腕法和调锋法),要转动手腕和手指达到“手熟”;而“结字”就是书体和结构,要背诵临摹养成“字感”。学书者必须在技法和形式这两方面持续用功。



五大书体,两种顺序



关于五大书体的顺序,文字学家从汉字演变的角度,提出“篆书 → 隶书 → 草书 → 行书 →楷书”的顺序(如裘锡圭先生),把楷书放在了最后。而书法家从笔法演变的角度,提出“篆书 → 隶书  → 草书 → 楷书 → 行书”的学习顺序(如邱振中先生)。


求同存异的焦点在于——行书,这是一种处于草、楷之间的书体,靠近草书的叫“行草”,靠近楷书的叫“行楷”,这便出现了“楷前行书”和“楷后行书”的区分,“楷前”的行书不受楷书的影响,直接从草书中承续古法;“楷后”的行书受楷书影响较大。从笔法看,行书最为丰富;从结构看,篆书、草书需要大量的记忆。


中国小孩子学书法,往往都是从楷书学起,楷书注重汉字结构,这对于培养耐心、养成学习规范很有好处,但却因笔法单一,用笔拘谨,难以贯通各种书体。我们提倡先掌握五大笔法,再选择自己喜欢的书体,持之以恒地领悟和练习,定能有所成就。




运腕法,技法与审美的合一



学书法先通笔法,再通书体。只有懂了笔法,我们才能更好地欣赏作品。笔法有五种:平动、摆动、绞转、提按、翻折,可大致对应于篆书、隶书、草书、楷书、行书五种书体,方便理解。


平动:手腕不转动,靠手臂的平移来拉出匀称的线条,可横向、纵向、斜向、S向(图1)。篆书常用平动笔法,以训练运笔的稳定性和中锋行笔。学习书法,平动最为基础,要把线条写得又厚又糯(而不是扁平单薄),线条还要略带弧度,富有艺术感染力。



摆动:手腕快速转动,翻掌之间,快速甩出两头尖中间粗的线条,像竹叶,又像金龙鱼。在甲骨文写而未刻的墨迹中,能见到用摆动笔法写出的“祀”字(图2)。摆动在汉简书写中很常见,线条率性,爽利动人(图3)。



绞转:可理解为画圈,练习画“盘香线”(图4),使笔毫的多个侧面都用到,结束时,笔尖拧成麻花状。绞转对应“圆转”,训练转弯时的控笔能力(图5)。连续绞转常见于草书,也即连续画圈,能出现飞白 的效果,增加苍茫感,还很“透气”,如草书的“習”字(图6)。





提按:通过指、腕或臂的上提与下按,改变控笔的力度,利用笔尖的弹性,实现线条的粗细变化,笔画结束时,通过回锋让笔尖慢慢回正。提比按更容易些,初学者往往比较紧张拘谨,容易提笔,导致笔画不实。提按法主要用于慢速的楷书,不太适合篆、隶书,也不利于行、草书的挥运。对于有楷书基础的学生,先暂时忘掉提按法,苦练其他四法,以减少提按法的负迁移。


翻折:也叫折笔,主要用于快速改变方向,从笔毫的一个锥面切换到另一个锥面,折角多呈方形,截面干脆。翻折的训练,用狼毫笔更容易一些。行草书往往是绞转和翻折并用,行书需要提速,转折处用翻折笔法,可以快速地换用笔毫的另一侧面,形成0°-90°的夹角,在这个过程中不能停顿,不能迟疑,更不能提笔,要“压”得住纸。翻折主要归入行草书笔法,爽快有力。

同样是改变方向,绞转是圆的,翻折是方的,可概括为“方折圆转”,二者配合使用,左折右转,十分畅快,如“易、陽、楊”等字(图7)。





楷书的折笔多用提按法,速度较慢,如颜真卿的楷书“多”(《多宝塔碑》)通过两提两按,形成方角,含2个折画;而米芾的行书“多”(《多景楼诗帖》)),通过6个翻折笔法,快速完成整字的书写。(图8)


两个“多”的对比,可以看出折笔和折画是不同的,折笔是笔法动作,而折画只是一种笔形。通过楷书的折画(两提两按的动作)和行书的翻折笔法(直接翻折),可以体会行笔的快慢和控笔的松紧。 



调锋法,笔尖的舞蹈



掌握了运腕法,对笔毫锥面有了概念。接下来就要学会调锋——锋即“笔尖”,这里是成对的两组概念——中锋与侧锋(针对行笔而言),藏锋与出锋(针对起笔和收笔而言),可以在对比中掌握。


中锋:运笔书写时,笔尖始终在线条的正中间,拉出的线条中间深两边浅,有立体感,故有“锥画沙,屋漏痕”之比喻。中锋与平动密切配合,都是训练手稳,拉出的线条纯净、厚实、圆润、饱满。


侧锋:侧锋和中锋相对,把笔尖偏在线条的一侧,就形成了侧锋,只要中锋做得不到位,就是侧锋——笔尖“塌”了。当笔法熟练之后,侧锋其实是对中锋的调剂和补充。绞转中的侧锋就像“弯道超车”(图7“易、陽、楊”下部“勿”在绞转时最粗的部分),随着绞转的结束,笔尖回归中锋。“中侧并用”可以避免板正,增加生动流畅之感。


藏锋:起笔时,把笔尖藏在笔画线条的内部,形成或圆或方的起笔。收笔时,除了撇和捺,一般也都需要藏锋,如楷书的横和垂露竖的末端,通过回锋提按收笔,不露锋芒。篆书的圆头和圆尾也都是典型的藏锋,很像筷子的末端,非常典雅温润,故名“玉箸篆”。


出锋:又叫露锋,和藏锋相对,就是要露出笔尖的痕迹,显示出笔锋进出的位置。慢速出锋用提按,快速出锋用摆动,形成锋芒毕露、颇具神采的笔画,如悬针竖、撇、捺、提、钩等笔画的收笔处。出锋还能在笔画之间形成牵丝 ,体现笔顺和笔势。


五种动腕的笔法和四种调锋的笔法都不是绝对的,需要融会贯通,再随着书体、笔墨、纸张、心情等不同而变化,最终凝成千姿百态与自由畅达的线条。







Der Schwerpunkt der ersten beiden Teile dieser Reihe lag auf der inneren Logik der Geschichte der chinesischen Kalligrafie: Auf der Strichführung und Struktur der chinesischen Schriftzeichen als Grundlage der Kunst der Kalligrafie und der Linie als Ausdruckskraft, deren Qualität wiederum auf der Beherrschung der Pinselführung beruht. Der Yuan-zeitliche Maler und Kalligraf Zhao Mengfu (1254–1322) wies einst darauf hin, dass die Methode der Pinselführung über die Zeiten hinweg unverändert schwierig geblieben ist, während die Schriftform im Lauf der Geschichte überliefert worden ist. Die Methode der Pinselführung umfasst sowohl die Bewegung des Handgelenks als auch die Ausrichtung der Pinselspitze. Sie erfordert die drehende Bewegung von Handgelenk und Finger, um eine Vertrautheit mit der Hand zu erlangen. Die Schriftform wiederum bezieht sich auf das Erscheinungsbild und den Aufbau eines Zeichens. Hier wird durch wiederholtes Auswendiglernen und Abschreiben ein Gefühl für die Form des Schriftzeichens entwickelt. Wer die Kalligrafie erlernen möchte, muss in beiden Bereichen – Pinselführung und Form – kontinuierlich üben und sich vertiefen.


Fünf Schriftformen und zwei Abfolgen


Zur Abfolge der fünf Hauptschriftformen gibt es unterschiedliche zeitgenössische Auffassungen: Sprachwissenschaftler wie Qiu Xigui betrachten sie aus der Perspektive der Schriftentwicklung und schlagen die Reihenfolge Siegelschrift → Kanzleischrift → Konzeptschrift → Kursivschrift → Regelschrift vor, wobei die Regelschrift den Schlusspunkt bildet. Kalligrafen wie Qiu Zhenzhong hingegen gehen vom Wandel der Pinselführung aus und bevorzugen daher die Reihenfolge Siegelschrift → Kanzleischrift → Konzeptschrift → Regelschrift → Kursivschrift.


Im Mittelpunkt dieser Diskussion steht die Kursivschrift – eine zwischen Konzept- und Regelschrift liegende Form. Bei eher kursiver Form spricht man von 行草 xíngcǎo, bei stärkerer Anlehnung an die Regelschrift von 行楷 xíngkǎi. Daraus ergibt sich die Unterscheidung in kursiven Schriftformen vor beziehungsweise nach der Regelschrift: Frühere kursive Formen übernehmen noch unmittelbar die alte Methode der Konzeptschrift, während spätere deutlich durch die Regelschrift geprägt sind. Was die Pinselführung betrifft, ist die Kursivschrift am facettenreichsten; was die Struktur betrifft, fordern insbesondere die Siegel- und Konzeptschrift viel Gedächtnisleistung.

Chinesische Kinder erlernen die Kalligrafie oft anhand der Regelschrift. Diese legt den Fokus auf die Struktur des Schriftzeichens und fördert die Kultivierung von Geduld und Lernnormen. Da es jedoch nur eine Art von Pinselstrich gibt und die Pinselführung eingeschränkt ist, wird das Erlangen einer Vielseitigkeit in verschiedenen Schriftformen und Stilen erschwert. Deshalb plädieren wir dafür, zunächst die fünf grundlegenden Bewegungen der Pinselführung zu erlernen und anschließend eine bevorzugte Schriftform zu wählen. Durch kontinuierliche Übung und vertieftes Verständnis wird sich unweigerlich ein Fortschritt einstellen.


Die Kunst der Handgelenksbewegung 

– Das Zusammenspiel von Fertigkeit und Ästhetik


Beim Erlernen der Kalligrafie ist die Beherrschung der Pinselführung der erste Schritt. Darauf folgt das Verständnis der Schriftformen. Nur wer die Pinselführung durchdringt, kann die kalligrafischen Werke besser würdigen. Es gibt fünf grundlegende Bewegungen der Pinselführung, die sich den fünf Schriftformen grob zuordnen lassen, was das Verständnis erleichtert: gleichmäßige Bewegung, Schwungbewegung, Drehung, Heben und Drücken sowie das Winkelbrechen, die in etwa den Schriftformen der Siegelschrift, Kanzleischrift, Konzeptschrift, Regelschrift und Kursivschrift entsprechen.


Gleichmäßige Bewegung: Ohne Drehung des Handgelenks entsteht durch gleichmäßiges Ziehen mit dem Unterarm eine wohlproportionierte Linie, die horizontal, vertikal, diagonal oder S-förmig verlaufen kann (Abb. 1). Diese Bewegung wird häufig in der Siegelschrift eingesetzt. Sie dient der Schulung der Stabilität des Strichs und der mittigen Führung der Pinselspitze. Beim Erlernen der Kalligrafie ist diese Bewegung die grundlegendste. Dabei sollen die Linien nicht flach oder kraftlos wirken, sondern kräftig und geschmeidig, leicht gebogen und voller künstlerischer Ausdruckskraft.


Schwungbewegung: Durch rasche Drehung des Handgelenks entstehen Linien, die in ihrer Form an Bambusblätter oder durchs Wasser schnellende goldene Drachenfische erinnern – mit einer kräftigen Mitte und zwei scharfen Enden. In Tintenresten auf beschrifteten und nicht eingravierten Orakelknochen können wir das Zeichen 祀 sì mit schwungvollen Strichen sehen (Abb. 2). Besonders häufig ist die Schwungbewegung auf Han-zeitlichen Bambustafeln verbreitet, mit ungezwungenen und klaren Linien voller Ausdruck (Abb. 3)


Drehbewegung: Diese Bewegung kann als Zeichnen eines Kreises verstanden werden, wobei sogenannte „Räucherspiralen-Linien“ spiralförmig gezogen werden (Abb. 4). Bei dieser Bewegung werden die Pinselhaare aus verschiedenen Winkeln genutzt und lassen am Ende durch kordelartige Eindrehung der Pinselspitze eine Form entstehen, die an gedrehte Teigstangen erinnert.


Diese Bewegung entspricht dem als „runde Drehung“ bezeichneten, weichen und fließenden Ausführen von Richtungswechseln und schult die Kontrolle der Pinselführung bei Drehungen (Abb. 5). Sie wird häufig in der Konzeptschrift eingesetzt. Mehrfache Drehungen können den Effekt von „fliegendem Weiß“ erzeugen, was das Gefühl von Weite verstärkt und der Schrift eine gewisse Leichtigkeit verleiht – wie bei dem in Konzeptschrift ausgeführten Schriftzeichen 習  (Abb. 6).


Heben und Drücken: Durch Anheben und Drücken des Fingers, Handgelenks oder Arms variiert man die Stärke der Pinselführung und nutzt die Flexibilität der Pinselspitze, um Striche unterschiedlicher Dicke zu erzeugen. Beim Beenden eines Strichs wird die Spitze durch Rückführung langsam ausgeglichen. Das Heben des Pinsels fällt leichter als das Niederdrücken. Anfänger sind häufig angespannt und zurückhaltend und neigen dazu, den Pinsel zu früh anzuheben, was zu kraftlosen Strichen führt. Die Bewegung des Hebens und Drückens wird vor allem in der in ruhigem Tempo geführten Regelschrift verwendet. Für Siegel- und Kanzleischrift ist sie wenig geeignet, und auch dem freien Fluss der Kursiv- und Konzeptschrift steht sie eher entgegen. Schüler, die über Grundkenntnisse in der Regelschrift verfügen, sollten vorübergehend bewusst auf die Bewegungsmethode des Hebens und Drückens verzichten und sich intensiv den vier anderen Methoden widmen, um negativer Übertragung entgegenzuwirken.


Winkelbrechen: Diese auch als „gebrochener Pinselstrich“ bezeichnete Bewegung wird vor allem für schnelle Richtungsänderungen verwendet, wobei von einer Seite der Pinselspitze zur anderen gewechselt wird. Der Richtungsbruch erscheint meist kantig mit einem klaren und entschlossenen Übergang. Diese Bewegung lässt sich mit sogenannten „Wolfshaarpinseln“ (Pinsel aus Wieselhaar) besonders gut üben. In der halbkursiven Schriftform, die eine hohe Geschwindigkeit erfordert, werden oft die Bewegungen des Drehens und des Winkelbrechens kombiniert. An den Wendepunkten kommt das Winkelbrechen zum Einsatz, um schnell die andere Seite der Pinselspitze zu nutzen und einen Winkel von 0 bis 90 Grad zu bilden. Dabei darf es weder Pausen noch Zögern geben und es muss darauf geachtet werden, den Pinsel ohne Absetzen fest auf dem Papier zu führen. Die Bewegung des Winkelbrechens gehört vor allem zur halbkursiven Schriftform und zeichnet sich durch eine klare, kraftvolle Ausführung aus. Beide Bewegungen verändern die Richtung, doch während die Drehung von runder Gestalt ist, ist das Winkelbrechen eckig. Man könnte es als „eckiges Brechen und rundes Drehen“ zusammenfassen. Wenn beide Methoden kombiniert werden, links gebrochen und rechts gedreht, entstehen fließende und dynamische Bewegungen, wie sie zum Beispiel anhand der Zeichen 易 , 陽 yáng und 楊 yáng zu sehen sind (Abb. 7).


In der Regelschrift wird das Abknicken des Pinselstrichs häufig mit der Bewegung des Hebens und Drückens und einer langsameren Schreibgeschwindigkeit durchgeführt. Ein Beispiel ist Yan Zhenqings in Regelschrift ausgeführte Schriftzeichen 多 duō auf der Stele der Duobao-Pagode, bei dem durch zwei Hebe- und Druckbewegungen ein rechter Winkel gebildet wird, der zwei Winkelbrüche enthält. Im Gegensatz dazu verwendet Mi Fu (1051–1107) in seinem in Halbkursivschrift ausgeführte Schriftzeichen 多 duō auf dem Gedicht vom Duojing-Turm sechs Winkelbrech-Bewegungen, mittels derer das Zeichen schnell vollendet wird (Abb. 8).


Im Vergleich der beiden Schriftzeichen wird der Unterschied zwischen der Bewegung des Winkelbrechens und dem gezeichneten Winkelbruch deutlich: Die Bewegung des Winkelbrechens ist eine Methode der Pinselführung, während der gezeichnete Winkelbruch lediglich eine Form des Pinselstrichs darstellt. Durch den Vergleich des mittels zweier Hebungen und zweier Drückbewegungen ausgeführten Winkelbruchs in der Regelschrift mit der direkt vollzogenen Bewegung des Winkelbrechens in der halbkursiven Schriftform kann man das Tempo der Strichführung sowie die Lockerheit und Präzision der Pinselkontrolle nachvollziehen.


Der Tanz der Pinselspitze 

– Die Methode der Ausrichtung der Pinselspitze


Nachdem die Technik der Handgelenksbewegung gemeistert und ein Verständnis für die Form der Pinselspitze entwickelt wurden, folgt die Kunst der Ausrichtung der Pinselspitze. Diese umfasst zwei gegensätzliche Konzepte: den mittleren und den seitlichen Einsatz der Pinselspitze (bezogen auf die Strichführung) sowie das Verbergen und das Zeigen der Pinselspitze (bezogen auf den Anfang und das Ende eines Strichs). Diese Konzepte können in Bezug aufeinander verstanden und beherrscht werden.


Mittlere Spitze: Bei der Strichführung verbleibt die Pinselspitze stets in der Mitte der Linie, sodass die gezogene Linie in der Mitte tief und an den Rändern flach ist, was ihr eine dreidimensionale Wirkung verleiht. Diese Ausrichtung wird oft mit der Metapher „Der Zirkel schneidet den Sand, das Dach lässt Tropfen“ verglichen – einer Anspielung auf ihre präzisen, mit feinen Rändern versehenen Linien. Die mittlere Spitze ist eng mit der gleichmäßigen Bewegung verbunden und fördert so eine stabile Handführung. Die Linien, die dabei entstehen, zeichnen sich durch Reinheit, Kraft, Rundheit und Fülle aus.


Seitliche Spitze: Die seitliche Spitze steht im Gegensatz zur mittleren Spitze. Sie entsteht durch seitliche Neigung der Pinselspitze. Ist die mittlere Spitze nicht vollendet ausgeführt, wird sie zur seitlichen Spitze – die Pinselspitze „fällt ab“. Sobald die seitliche Spitze beherrscht wird, dient sie als Ergänzung und Ausgleich zur mittleren Spitze. In der Drehbewegung erinnert die seitliche Spitze an das „Überholen in der Kurve“ (zum Beispiel im unteren Teil der Schriftzeichen 易 , 陽 yáng und 楊 yáng in Abb. 7, wo der Strich besonders kräftig wird), bevor die Pinselspitze am Ende der Drehung zur mittleren Spitze zurückkehrt. Der wechselnde Einsatz von mittlerer und seitlicher Spitze verhindert eine zu steife, unlebendige Ausführung und verleiht der Schrift eine lebendige, fließende Dynamik.


Verborgene Spitze: Zu Beginn eines Strichs wird die Pinselspitze im Inneren der Strichführung verborgen, wodurch entweder eine runde oder eine eckige Anfangsform entsteht. Beim Beenden des Strichs, mit Ausnahme von schrägen und seitlichen Strichen, wird die Spitze in der Regel ebenfalls verborgen. Zum Beispiel erfolgt dies bei den horizontalen und vertikal abfallenden Linien in der Regelschrift durch das Zurückführen der Spitze und das Anheben beim Absetzen, sodass die Pinselspitze nicht hervortritt. Auch bei den abgerundeten Köpfen und Enden in der Siegelschrift ist dies typisch. Sie ähneln den Enden von Essstäbchen und verleihen der Schrift eine sehr elegante, sanfte Ausstrahlung, weshalb dieser Stil auch den Namen „Jade-Stäbchen-Siegelschrift“ trägt.


Sichtbare Spitze: Die sichtbare Spitze wird auch als „Hervortreten der Spitze“ bezeichnet und ist das Gegenstück zur verborgenen Spitze. Hierbei wird die Pinselspitze sichtbar gemacht, um den Anfangs- und Endpunkt des Pinselstriches zu verdeutlichen. Bei langsamer Ausführung erfolgt dies durch ein Anheben und Drücken des Pinsels, während bei schneller Ausführung die Spitze durch eine Schwungbewegung des Pinsels hervortritt, was zu markanten und ausdrucksstarken Strichen führt. Diese Ausrichtung ist besonders an den Enden von Strichen wie dem „hängenden Nadelstrich“, dem abfallenden Strich, dem nach rechts abfallenden Strich, dem Hebestrich und dem Haken zu beobachten. Das Hervortreten der Spitze kann zudem feine Verbindungen zwischen den Strichen schaffen, die wie feine Seidenfäden wirken. Dadurch werden der Verlauf der Pinselbewegung und die Dynamik des Strichs besonders deutlich, was sowohl die Reihenfolge der Striche als auch die innere Kraft des Pinsels veranschaulicht.


Die fünf Arten der Handgelenksbewegung und die vier Ausrichtungen der Pinselspitze sind keineswegs absolut. Sie erfordern eine harmonische Integration und variieren je nach Schriftart, Pinsel, Tinte, Papier und sogar der Stimmung des Schreibenden. Letztlich führen sie zu einer Vielzahl von Formen und zu Linien, die in ihrer Freiheit und Ausdruckskraft eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten entfalten.





文章选自《孔子学院》中德文对照版2025年5月·总第61期54-59页


Text / 文: Bai Chake 百茶客

Aus dem Chinesischen / 德文翻译: Hannah Luftensteiner

Zusammenstellung / 排版: Li Zhoulin 李周林

Korrekturlesen / 发布审校: Yang Qingfang 杨庆芳



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