“无水绿洲”民勤的今昔之别——选自《孔子学院》中德文对照版
2025-11-02
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民勤位于甘肃省西北部,河西走廊的东端,其东、西、北三面被腾格里和巴丹吉林两大沙漠包围。2012年,有地理专家曾预言:“民勤不久后将在地图上消失。”十余年过去了,现在的民勤又是怎样一番景象呢?
“沙逼人退”的切痛过往
民勤是甘肃省武威市下辖的一个县,面积约1.5万平方公里,常住人口仅20万人左右,是名副其实的地广人稀之地。
2800多年前,人们在民勤繁衍生息,创造了中国青铜时代末期灿烂的“沙井文化”,奠定了甘肃“文化之乡”的基础。公元前121年,汉朝在此建郡设县,移民开发农业,当时这里享有“人在长城之外,文居诸夏之先”的美誉。1928年,此地因“俗朴风醇,人民勤劳”更名为“民勤”。
院落中的带顶拱廊为人们遮挡炽热阳光,带来阴凉。
Überdachte Arkadengänge in den Innenhöfen spenden Schatten vor der sengenden Sonne.
曾经的民勤,宛若镶嵌在河西走廊上的绿色宝石,阻截了两大沙漠在此“牵手”。然而,由于地质变迁,河流改道,气候变得干旱;加之民勤上游石羊河农用水增加,下游水量大幅减少,1500年前后,风沙逼近县城,绿洲的荒漠化已不可逆转。在1850—1950年这一百年间,民勤境内有6000多个村庄被沙漠吞噬。当地流传着这样一首民谣:
“登高望远全是沙,一刮大风不见家。
庄稼田地被沙压,流离失所奔天下。”
民勤年均降雨量仅110毫米左右,蒸发量却是降水量的24倍,因而严重缺水。
“绿进沙退”的逆转历程
“一部民勤志,半部治沙史。”为了改善生存环境,民勤开始了长达70多年的全民抗击风沙运动。固沙种树,久久为功。民勤人勤劳坚韧,因地制宜,种植梭梭、毛条、花棒等耐旱植物,以达到稳固沙土的目的,同时号召全国的志愿者加入固沙队伍。许多民勤人说:“二十几年之后,民勤绿洲会不会真的消失,那是老天爷的事。作为土生土长的民勤人,我们有责任去尝试、去努力,只为将来不留遗憾。”
民勤采用全民参与机制,通过种植梭梭、沙棘等耐旱植物,使用麦草方格阻沙固沙,在压沙造林过程中,反复补植补栽。2006年,国栋村的马俊河借用互联网的力量,采用“互联网治沙”的方式,发起了拯救民勤绿洲行动。随后,他毅然辞去在兰州的工作,回到村里种梭梭。2007年,年仅26岁的吕曲红和30位来自全国各地的志愿者并肩作战,在沙漠中种下了第一棵梭梭树,此后的17年间,他们在6万多亩沙漠中种了近百万棵梭梭树,成活率高达85%。吕曲红有个愿望,希望在她60岁那年,能在17万亩沙地上种满梭梭树。近年来,人们通过生态补水、优化灌溉技术以及封禁保护措施,尤其是采用5G智能监测系统,实现了7×24小时生态监测,为治沙提供实时数据支持,终于实现了“绿进沙退”的逆转。1950年春天,民勤的森林覆盖率只有3%;如今,民勤的森林覆盖率已达18.28%。
多年来种植耐旱灌木的努力(如梭梭灌木)已初见成效。
Die langjährigen Anpflanzungsbemühungen von trockenresistenten Gehölzen wie Saxaul-Sträuchern zeigen Erfolge.
“点沙成金”的节水农业
固沙成功后,民勤人民充分利用本地日照充足、昼夜温差大的自然条件,采用喷灌和滴灌方式大面积种植耐旱的沙葱、蜜瓜等农产品,积极发展节水型生态农业。他们通过多年的努力,在这片宝贵的“无水绿洲”上逐步实现了“点沙成金”的致富梦。
2008年的一天,民勤大坝乡八一村农民叶长炼,看着沙漠中零星几丛沙葱,陷入沉思。这种被誉为“菜中灵芝”的野生蔬菜,味道鲜美、营养价值高、耐寒喜旱,叶长炼由此萌生了人工种植沙葱的念头。此后,他和科研人员一起解决了沙葱人工种植过程中遇到的困难,使沙葱种植成为民勤县的优势特色产业。同村的村民甄世龙也成功研究出在大棚种植沙葱的方法,并成为当地有名的沙葱种植大户。2013年,甄世龙成立了沙葱产销专业合作社,不仅自己走上了致富路,还帮助乡亲们开辟了一条致富的新途径。如今,全县沙葱的种植面积超万亩,产值超过3亿元,沙葱也因此成为他们手中的“金苗苗”。
民勤人民还巧妙利用并优化组合光、热、水、土等自然资源,大力发展绿色有机农业,培养出了蜜瓜、茴香、人参果、红枣、枸杞等特色农产品,其中,蜜瓜、人参果年销量超万吨,以质优量大而誉满国内外。28岁的“新农人”张煜文在瓜田里架起了“直播间”,帮瓜农销售蜜瓜。他说,别人都是想方设法跳出“农门”,他反而是想尽办法回到“农门”,并自豪地将自己定义为“潮农”。
年轻农民张煜文在他的瓜田里搭建了一个直播带货工作室,从那里销售他的水果。
Der junge Bauer Zhang Yuwen hat auf seinem Melonenfeld ein Live-Shopping-Studio eingerichtet und vermarktet von da aus seine Früchte.
2012年,民勤全县荒漠化与沙化土地面积为94%;如今,这里的荒漠化土地面积降至88.18%,沙化土地面积也降至75.57%。现在的民勤,并没有在两大沙漠的三面合围下从地图上消失;一代一代的民勤人,不断创造并延续着“无水绿洲”的奇迹。
Am östlichen Ende des Hexi-Korridors in der chinesischen Provinz Gansu liegt eine Ortschaft namens Minqin – umgeben von den goldglimmenden Dünenmeeren der Tenggeli- und Badain-Jaran-Wüsten im Osten, Westen und Norden. Im Jahr 2012 warnten Geografen mit düsteren Prognosen, dass Minqin bald vom Antlitz der Erde getilgt sein würde. Nun ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen: Wie präsentiert sich die Oase heute?
Schmerzhafte Vergangenheit: „Der Sand drängt die Menschen zurück“
Der Kreis Minqin, der der bezirksfreien Stadt Wuwei unterstellt ist, ist ein wahrhaft weites und dünn besiedeltes Gebiet: Auf einer Fläche von rund 15000 Quadratkilometern – etwa so groß wie Schleswig-Holstein – halten nur rund 200000 Einwohner das Land am Leben.
Vor über 2800 Jahren florierte hier zur späten Bronzezeit die „Kultur der Sandquelle“ (沙井文化 shājǐng wénhuà), die Gansu den Beinamen „Land der Kultur“ einbrachte. 121 v. u. Z. errichtete die Han-Dynastie in Minqin Regierungsbehörden und organisierte Einwanderung zur landwirtschaftlichen Erschließung. Man rühmte die Gegend als „außerhalb der Großen Mauer gelegen, aber kulturell fortschrittlich“. Im Jahr 1928 erhielt die Region den Namen Minqin (民勤 Mínqín) zu Ehren ihrer „einfachen und unverfälschten Sitten und ihrer fleißigen Bevölkerung“.
Einst verhinderte die grüne Oase des Hexi-Korridors das Zusammenwachsen der beiden Wüsten. Doch durch geologische Veränderungen und Flussumleitungen trocknete Minqin immer weiter aus. Der steigende Wasserverbrauch für die Landwirtschaft am Oberlauf des Shiyang-Flusses verschärfte die Situation zusätzlich. Bereits um 1500 u. Z. rückte der Sandsturm immer näher an die Kreisstadt heran und das Gebiet begann unaufhaltsam zu verdorren. Zwischen 1850 und 1950 verschlang die Wüste über 6000 Dörfer der Region. Ein lokales Volkslied klagt:
Vom Hügel aus erblickt man nur Sand,
Zum Windstoß sieht man keine Wand.
Staub begräbt Acker und Feld,
Heimatlos wandert man durchs Land.
Und die Zahlen lügen nicht: Minqin wird im Jahresdurchschnitt nur rund 110 Millimeter Niederschlag gemessen, während die Verdunstung das 24-fache beträgt – der Wassermangel treibt also die ökologische Krise gnadenlos voran.
Grün dringt vor, Sand zieht sich zurück
In diesem Ort sagt man: „Die Chronik Minqins ist zur Hälfte eine Geschichte des Kampfs gegen die Wüstenbildung.“ Um ihre Lebensgrundlage zu erhalten, haben die dortigen Bewohner vor über siebzig Jahren eine unermüdliche Gemeinschaftsinitiative gegen Wind und Sand gestartet. Sie pflanzen trockenresistente Gehölze wie Saxaul, Erbsensträucher und Süßklee an, um die vorrückenden Dünen Einhalt zu gebieten. Unterstützt werden sie dabei von Freiwilligen aus allen Teilen des Landes. Doch der Kampf ist ein Marathon, kein Sprint. Viele Einheimische bekennen: „Ob die Oase in zwanzig Jahren noch existiert, liegt in der Hand des Himmels. Aber wir, die gebürtigen Minqiner, haben die Verantwortung, es zumindest zu versuchen. Denn nur so können wir ohne Reue in die Zukunft blicken.“
Durch großflächige Bepflanzungen, den Einsatz von Strohmatten als Sandfang und ständige Nachpflanzungen konnte die bedrohte Landschaft nach und nach stabilisiert werden. Im Jahr 2006 kam es zu einem symbolischen Akt: Ma Junhe, ein Bewohner des Dorfes Guodong, startete über das Internet eine landesweite Rettungsaktion für die Minqin-Oase. Dafür gab er seinen Job in Lanzhou (Hauptstadt der Provinz Gansu) auf und kehrte in seine Heimat zurück, um zunächst im Dorf Saxaul-Sträucher zu pflanzen. Ein Jahr später gelang es der damals 26-jährigen Einheimischen Lü Quhong zusammen mit 30 Freiwilligen aus anderen Gebieten, den ersten Saxaul auch im unwirtlichsten Dünengebiet gedeihen zu lassen. In den folgenden 17 Jahren entstanden auf der über 4000 Hektar großen Wüste fast eine Million Saxaul-Sträucher mit einer Anwuchsrate von 85 Prozent. Doch damit gab sich die Umweltpionierin nicht zufrieden. Ihr Lebenstraum ist es, bis zu ihrem 60. Lebensjahr die gesamte Sandfläche von über 11000 Hektar mit dem widerstandsfähigen Gewächs zu begrünen.
In jüngster Zeit kommen moderne Innovationen zum Einsatz: Präzise ökologische Bewässerungssysteme, wassersparende Bewässerungstechniken und Schutzsperrungen, die vor allem dank 5G-basierter Sensornetzwerke eine ökologische Überwachung und Datenlieferung in Echtzeit ermöglichen. Die Ergebnisse sind bahnbrechend: In einigen Gebieten geht die Wüste bereits zurück. Und die Zahlen sprechen für sich: War Minqin 1950 nur zu 3 Prozent bewaldet, sind es heute 18,28 Prozent – eine Versechsfachung in sieben Jahrzehnten.
Wassersparende Landwirtschaft gewinnt „Gold aus Sand“
Nach erfolgreicher Sandfixierung setzten die Bewohner Minqins auf moderne Bewässerungsmethoden wie Tropf- und Sprinkleranlagen, um eine wassersparende Landwirtschaft zu etablieren. Sie nutzen zudem die intensive Sonneneinstrahlung und die starken Tag-Nacht-Temperaturschwankungen des kargen Gebiets und pflanzen trockenresistente Arten wie Sandlauch und Honigmelonen im großen Stil an. Durch jahrelange Bemühungen gelang es ihnen schließlich, Wohlstand zu erreichen.
Die Erfolgsgeschichte begann im Jahr 2008, als der Bauer Ye Changlian aus dem Dorf Bayi auf wild wachsenden Sandlauch in der Wüste stieß. Von dessen Delikatesse, Nährstoffreichtum und Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und Kälte fasziniert, kam Ye auf die Idee, Sandlauch in der Wüste anzubauen. Allerdings war dieser Weg nicht ohne Hindernisse. In der Anfangszeit musste er gemeinsam mit Agrarexperten zahlreiche Schwierigkeiten bewältigen. Heute ist der Sandlauch eine landwirtschaftliche Spezialität von Minqin.
Ein Nachbar von Ye namens Zhen Shilong trieb die Entwicklung weiter voran: Er perfektionierte den Anbau im Gewächshaus und gründete im Jahr 2013 eine Produktions- und Vertriebsgenossenschaft. Damit ebnete er den Weg zum Wohlstand und schuf neue Arbeitsplätze in seiner Heimat. Inzwischen erstrecken sich die Sandlauchkulturen über mehr als 667 Hektar und generieren einen Jahresumsatz von über 300 Millionen Yuan (etwa knapp 37 Millionen Euro). Aus der einst unscheinbaren Wildzwiebel ist der „Goldesel“ Minqins geworden.
Die lokalen Bauern verstehen es zudem sehr gut, Licht, Wärme, Wasser und Bodenressourcen geschickt zu kombinieren, um auf umweltfreundliche Weise Ökoprodukte – darunter Fenchel, Honigmelonen, Pepinos, Datteln und Goji-Beeren – anzubauen. Vor allem die Honigmelonen und Pepinos erreichen einen jährlichen Absatz von jeweils mehr als 10000 Tonnen und genießen einen guten Ruf auf dem nationalen und sogar internationalen Markt. Ein Beispiel für den „Bauern des neuen Typs“ ist der 28-jährige Zhang Yuwen. Er hat mitten auf seinem Melonenfeld ein Live-Shopping-Studio errichtet, über das er die Früchte direkt vermarktet. „Während viele junge Menschen das Land verlassen, bin ich bewusst zurückgekehrt, um die Landwirtschaft neu zu gestalten“, sagt der „Trend-Bauer“, wie er sich stolz nennt.
Und die Veränderung im Kreis Minqin ist enorm: 2012 waren 94 Prozent der Fläche von Wüstenbildung oder Sandbedeckung betroffen. Heute liegt der Anteil der Desertifikation und der Sandbedeckung jeweils bei 88,18 beziehungsweise 75,57 Prozent. Der Kreis ist also keineswegs „vom Antlitz der Erde getilgt“ – im Gegenteil: Die Menschen in Minqin schaffen seit Generationen das Wunder der „wasserlosen Oase“ und setzen es noch immer fort.
