哪吒与天王:丝绸之路上的父子情仇——选自《孔子学院》中德文对照版
2025-11-29
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2024年12月10日,新华网发布了《2024年中国国际传播年度热词报告》,其中“黑神话:悟空”赫然在列!如果评选2025中国文化十大热词,哪吒神话想必大概率会上榜。究竟神话是什么?且听民俗学家田兆元的说法。
神话是与人类并存的理想叙事,神话是人类的存在依据。神话的形式是以古老的时间作为外壳,包裹的却是未来的理想。因此,神话永远具有当下性。而理想不断随着现实升腾,所以神话永远处于不断的传承重构改写中,它是活态的、流动的。
但无论是悟空,还是哪吒,它们都不是所谓原生的中国神话,而是隋唐以来的中国“新神话”,且带着浓厚的外来痕迹。这类神话故事在中国的传播,是人类文明互鉴和创新发展最典型的生动案例。
哪吒故事,都说来自佛典,但在佛典中根本找不到依据。哪吒故事,是丝绸之路中外文化交流和碰撞过程中逐渐形成的神话故事。佛典里有疑似今天哪吒故事的人名,但与中国的哪吒故事并不是一回事。在唐代,中国才开始有了哪吒的具体故事。唐人郑綮的小说《开天传信记》记载:西明寺的宣律法师夜间行走,临阶坠落,忽然有人捧住他的脚,他便平安无事了。宣律一看,是一少年。宣律问:“弟子何人,中夜在此?”少年曰:“某非常人,即毗沙王之子那吒太子也。护法之故,拥护和尚久矣。”这是大唐之人与哪吒的一次亲密接触。哪吒竟然是一个很细心的护法者。宣律法师踩虚了脚,这位三太子伸手护住,成了重要的绘画题材。
但是,在唐代,哪吒并不如他的父亲有名。哪吒最初是托老爷子的福才在中国产生广泛影响的。汉代的西域是中外文化交汇之地。那一带曾经信奉一位大神,这就是赫赫有名的佛教北方天王毗沙门。到了唐代,中央设立了安西都护府。那一年,唐玄奘西天取经路过此处,发现那里的人说是自己是毗沙门天王的后代。唐代有部文献,叫《毗沙门仪轨》,记载了这样一件事,说是唐天宝年间,安西被敌人围攻,毗沙门天王第二子独健,领天兵救援安西。胜利时,城北门楼上出现毗沙门天王,这毗沙门天王就是哪吒的父亲。
因此毗沙门信仰便在唐代大兴,有图像供奉。天王第三子那吒太子,捧塔常随天王。在唐代,哪吒是一个很恭顺的称职的护法者,与父亲毗沙门天王亲切地关联在一起。汉唐丝绸之路是哪吒进入中原的文化路径,这一路上,哪吒逐渐摆脱了曾经的恭顺的依附者形象,有了自己鲜明的个性。
进入宋代,画风丕变。北宋时期,中国文化的中心逐渐东移,哪吒故事的讲述者,显然不再局限于西北和关中。在这一时期的故事中,哪吒是变了三头六臂,与父母关系紧张。
何以佛教故事要讲述与父母的关系呢?这大概与佛教传入中国,与中国的文化传统产生了冲突有关。佛教要剃头烙印子,这是对身体的毁伤。而儒家文化认为,身体发肤,受之父母,应该爱惜,不可毁伤。哪吒析骨还父和析肉还母,体现了佛教文化对于肉身的态度,是佛教精神的叙事性体现。这样一来,也把哪吒父子关系全搞砸了。这样的故事,中国人是不能接受的。
到了元代,哪吒的故事从佛教信仰者的布道变成了道教文化的叙事,内容更加丰富。《三教源流搜神大全》是中华文化多元融合的重要文献,其中《哪吒太子》篇记载:因世界多魔王,玉帝派其下凡,脱胎于李天王李靖夫人。后来的《西游记》和《封神演义》便是人们熟悉的故事了。这些故事基本上都是从《三教源流搜神大全》之“哪吒太子”故事演绎开去的。
《封神演义》生动描述了这对父子的矛盾。作为父亲的李靖捣毁哪吒庙,引发了哪吒追杀李靖的大戏。李靖长子木吒说:“天下无有不是的父母”,以此维护父亲的尊严。而道人最终收复了狂放的哪吒,并逼其叩头认了父亲。这场冲突因道教而化解了。而真正让哪吒放弃顽劣之行的,是他参加了商周王朝变迁的大事件。小小孩童,成了正义的化身。哪吒故事归入宏大的社会叙事之中,所以父子矛盾在大事件面前泯然无形了。至此,我们看到哪吒神话在中国文化中一次完整的创造性构建:一个中国文化中的父与子的爱恨情仇故事。
神话的魅力在于不断书写重构。饺子导演的《哪吒之魔童降世》出世,在新时代哪吒的动漫叙事形态里,佛教道教的冲突已然成为过去,自我与宿命的抗争才是这个时代最令人关注的问题。所以,龙王之子成了哪吒的最好朋友。到了第二部“魔童闹海”,动漫故事似乎在讲述一个世界大同的神话。这时的李靖夫妇与哪吒,其最为迷人的场景是在一起踢一场毽子,那是人类童年最迷人的游戏。
我们知道,生活在继续,梦想在继续,神话还要继续。李靖和哪吒父子的爱恨情仇同样会继续演绎。
Am 10. Dezember 2024 veröffentlichte Xinhua Net den „Jahresbericht der meistgenutzten Begriffe in Chinas internationaler Kommunikation 2024“, in dem „Black Myth: Wukong“ prominent vertreten war. Wenn man die Top 10 der chinesischen Kulturschlagwörter für 2025 wählen würde, stünde die Nezha-Mythologie mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Liste. Doch was genau heißt eigentlich Mythologie? Lassen wir den Ethnologen Tian Zhaoyuan zu Wort kommen.
Mythen sind ideale Erzählungen, die es gibt, seit die Menschheit existiert. Sie bilden eine der Daseinsgrundlagen des Menschen. Die Form des Mythos nutzt die alte Zeit als Hülle, doch enthalten ist darin das Ideal der Zukunft. Daher besitzen Mythen stets Gegenwärtigkeit. Und da sich Ideale ständig mit der Realität weiterentwickeln, befinden sich Mythen in einem kontinuierlichen Prozess der Weitergabe, Neugestaltung und Umdeutung. Das ist es, was ihnen Lebendigkeit und den Charakter von etwas Fließendem verleiht.
Doch weder der Affenkönig Sun Wukong noch Nezha sind sogenannte ursprüngliche chinesische Mythengestalten. Vielmehr handelt es sich um eine neue Form der chinesischen Mythologie mit starken fremden Elementen, die sich seit der Sui- und Tang-Dynastien (581–907) entwickelt hat. Die Verbreitung solcher mythologischen Geschichten in China ist eines der anschaulichsten Beispiele für den wechselseitigen Austausch und die innovative Entwicklung menschlicher Zivilisation.
Die Geschichte von Nezha soll angeblich aus buddhistischen Schriften stammen, doch dafür gibt es keinerlei Belege. Die Legende von Nezha ist ein mythologisches Narrativ, das sich allmählich durch kulturellen Austausch und Begegnungen zwischen China und anderen Regionen entlang der Seidenstraße herausgebildet hat.
In buddhistischen Texten tauchen zwar Namen auf, die dem heutigen Nezha-Mythos ähneln, doch haben diese mit der chinesischen Nezha-Geschichte wenig gemein. Erst in der Tang-Dynastie (618–907) entstanden auf chinesischem Boden konkrete Erzählungen über Nezha. Die Novelle „Bericht von einer himmlischen Offenbarung“ von Zheng Qi aus der Tang-Zeit berichtet, wie der Mönch Xuanlü vom Ximing-Tempel eines Nachts auf einer Treppe stolperte und fast gestürzt wäre, hätte ihn nicht plötzlich jemand am Fuß festgehalten, sodass er unversehrt blieb. Als Xuanlü sich umsah, erblickte er einen jungen Mann. Und Xuanlü fragte: „Was treibt dich mitten in der Nacht hierher?“ Der Junge antwortete: „Ich bin kein gewöhnlicher Mensch, sondern Prinz Nezha, Sohn des Königs Vaiśravaṇa. Zum Schutz des Dharma habe ich Euch, ehrwürdiger Mönch, schon lange behütet.“ Die Tang-zeitliche Quelle beschreibt eine erste intensive Begegnung zwischen einem Menschen und Nezha. Demnach ist Nezha ein äußerst aufmerksamer Beschützer des Dharma. Dass der Mönch Xuanlü ins Stolpern geriet und der Prinz ihm schützend die Hand reichte, wurde später ein beliebtes Motiv in der Malerei.
Aber in der Tang-Dynastie war Nezha noch nicht so berühmt wie sein Vater, dessen Ruhm er seinen weitreichenden Einfluss in China verdankte. Während der Han-Dynastie (206 v. u. Z. –220 u. Z.) war die westliche Region ein Schmelztiegel der Kulturen, wo chinesische und ausländische Einflüsse aufeinandertrafen. In diesem Gebiet verehrte man einen mächtigen Gott – den berühmten buddhistischen Himmelskönig des Nordens, Vaiśravaṇa. Zur Zeit der Tang-Dynastie richtete die Zentralregierung das Protektorat Anxi ein. Als der Mönch Xuanzang in den Westen aufbrach, um den Buddhismus in Indien zu studieren und durch diese Region kam, fand er heraus, dass sich die Menschen dort als Nachkommen des Himmelskönigs Vaiśravaṇa betrachteten. In einem historischen Text aus der Tang-Zeit mit dem Titel „Rituale des Vaiśravaṇa“ wird folgende Begebenheit beschrieben: Während der Tianbao-Ära (742–756) der Tang-Dynastie wurde Anxi von Feinden belagert. Der zweite Sohn Vaiśravaṇas, Dujian, führt eine Armee von Himmelskriegern an, um Anxi zu befreien. Als der Sieg errungen war, erschien Vaiśravaṇa selbst auf dem Nordtor der Stadtmauer – und dieser Vaiśravaṇa war niemand anderes als Nezhas Vater.
Daher erlebte der Vaiśravaṇa-Glaube in der Tang-Dynastie eine Blütezeit, und es gab bildliche Darstellungen zu seiner Verehrung. Der dritte Sohn des Himmelskönigs, Prinz Nata (Nezha), trug stets einen Pagodenstupa und begleitete den Himmelskönig. Während der Tang-Zeit verkörperte Nezha einen pflichtbewussten und gehorsamen Beschützer des Dharma, der in harmonischer Verbindung mit seinem Vater, dem Himmelskönig Vaiśravaṇa, stand. Während der Han- und der Tang-Dynastien bildete die Seidenstraße den kulturellen Pfad, über den Nezha in die zentralchinesischen Gebiete gelangte. Auf diesem Weg löste er sich allmählich von seinem einst folgsamen Begleiterimage und entwickelte eine eigenständige, markante Persönlichkeit.
Mit der Song-Dynastie (960–1279) änderte sich die Darstellung radikal. In der Nördlichen Song-Zeit verlagerte sich das kulturelle Zentrum Chinas allmählich nach Osten, und die Erzähler der Nezha-Geschichten stammten nun nicht mehr ausschließlich aus dem Nordwesten und der Zentralebene von Shaanxi. In den Erzählungen dieser Periode verwandelte sich Nezha in eine dreiköpfige, sechsarmige Gestalt, und sein Verhältnis zu seinen Eltern wurde zunehmend angespannt.
Warum erzählen buddhistische Geschichten von der Beziehung zu den Eltern? Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass der Buddhismus bei seiner Verbreitung in China mit den traditionellen chinesischen Kulturwerten in Konflikt geriet. Im Buddhismus müssen sich Anhänger den Kopf rasieren und Brandmale setzen lassen, was als Verletzung des Körpers gilt. Die konfuzianische Kultur hingegen betont, dass Körper, Haare und Haut von den Eltern vererbt sind und geschützt werden sollten, nicht verletzt. Nezhas Geschichte, in der er seine Knochen dem Vater und sein Fleisch der Mutter zurückgibt, spiegelt die buddhistische Haltung zum physischen Körper wider und ist eine narrative Darstellung buddhistischer Ideale. Dadurch wird jedoch auch die Vater-Sohn-Beziehung völlig zerstört. Eine solche Geschichte war für die Chinesen unannehmbar.
In der Yuan-Dynastie (1279–1368) wandelte sich die Erzählung über Nezha von einer buddhistischen Predigt zu einer daoistischen Kulturgeschichte, wobei der Inhalt noch reicher wurde. „Die umfassende Darstellung der Ursprünge der Drei Lehren“ ist ein wichtiges Dokument der multikulturellen Integration Chinas. Im Kapitel „Prinz Nezha“ wird berichtet: Da die Welt von Dämonen beherrscht worden sei, habe der Jadekaiser ihn auf die Erde gesandt, wo er durch die Frau des Himmelskönigs Li Jing wiedergeboren worden sein soll.
Die späteren Werke „Die Reise in den Westen“ und „Die Investitur der Götter“ enthalten die heute allgemein bekannten Geschichten. Diese Erzählungen leiten sich im Wesentlichen von der „Prinz Nezha“-Geschichte aus der „Umfassenden Darstellung der Ursprünge der Drei Lehren“ ab.
Die „Investitur der Götter“ schildert anschaulich den Konflikt zwischen Vater und Sohn: Als Vater zerstört Li Jing den Nezha-Tempel, was zu einer dramatischen Verfolgungsjagd führt, in der Nezha seinen Vater töten will. Um die Würde des Vaters zu wahren, sagt Muzha, der älteste Sohn Li Jings: „Unter dem Himmel gibt es keine Eltern, die Unrecht haben.“. Schließlich bezwingt ein daoistischer Meister den wilden Nezha und drängt ihn, sich zu verbeugen und seinen Vater anzuerkennen. Dieser Konflikt wird also durch den Daoismus gelöst. Doch was Nezha wirklich von seinem aufsässigen Verhalten abbringt, ist seine Teilnahme an den großen historischen Umwälzungen während des Übergangs von der Shang- zur Zhou-Dynastie (um 1025 v. u. Z.). Aus einem kleinen Kind wird eine Verkörperung der Gerechtigkeit. Nezhas Geschichte wird in die große gesellschaftliche Erzählung eingebettet, sodass der Vater-Sohn-Konflikt angesichts der historischen Ereignisse in den Hintergrund tritt. Hier sehen wir eine ganz und gar kreative Konstruktion der Nezha-Mythologie in der chinesischen Kultur: eine Geschichte voller Liebe, Hass und Konflikten zwischen Vater und Sohn.
Der Zauber von Mythen liegt in ihrer ständigen Neuschreibung und Umdeutung. Mit dem Film „Ne Zha“ des Regisseurs Jiaozi entstand im neuen Zeitalter der Animationserzählung eine Version, in der die Konflikte zwischen Buddhismus und Taoismus der Vergangenheit angehören. Der Kampf zwischen Selbstbestimmung und Schicksal ist das zentrale Thema, das unsere Zeit bewegt. So wird der Sohn des Drachenkönigs Nezhas bester Freund. Im zweiten Teil „Ne Zha 2“ scheint die Animationsgeschichte einen Mythos der globalen Harmonie zu erzählen. Die bezauberndste Szene zeigt die Familie Li – Nezha und seine Eltern –, wie sie gemeinsam Jianzi, das schönste Spiel der Kindheit, spielen: Federball mit den Füßen.
Eins ist sicher: Das Leben geht weiter, die Träume hören nicht auf – und auch die Mythen bleiben lebendig. Die spannende Geschichte zwischen Li Jing und Nezha, Vater und Sohn, wird also noch lange weitererzählt werden.
