《孔院杂志》· 路上:骑行长征第二部 从遵义到延安——选自《孔子学院》中德文对照版
2025-03-06
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2023年秋至2024年春,可里斯和河麟骑着电动自行车开始重走长征路。他们在2023年10月至12月间完成了从江西瑞金到贵州遵义的近3000公里旅程(见《孔子学院》2024年第2期)。经过短暂的冬季休整之后,三月初他们重新出发,踏上了从遵义到延安的第二段旅程。
在长达4000公里的旅途中,他们渡过长江,翻越了喜马拉雅山脉的多个高海拔隘口。在青藏高原上等候两位骑行者到来的是令人闻之色变的草地沼泽。无论是对人员还是物资而言,这都是一次极大的挑战。2024年5月底,他们终于到达目的地——陕西延安。
回到遵义
感觉不错,就像是回到了家。我们经由不同的路线返回中国。可里斯从柏林飞赴成都,而我则从曼谷飞抵昆明,然后我们又分头从当地乘火车到达遵义。与12月离开时相比,现在的气温明显回暖了。
可我们的自行车还在吗?我们把车停在酒店的地下室,让它们与一堆旧家具、工具和零配件做伴。要是工作人员换了,没人记得我们怎么办?这些自行车会不会被当成无主之物?电池的情况怎么样?三个月没有充电,它们还能用吗?令我们长出一口气的是,门卫赵大爷热情地与我们打招呼,紧接着就说:“你们的车都很好!”事实上,我们的车的确状况良好。我们在一家信得过的自行车行做了检查,并安装了全新的行李架。这样,我们踏上长征的第二段旅程了。
障眼法与车损
1935年1月,红军首先从遵义挥师南下,再次渡过乌江,佯攻守备空虚的贵阳,令坐镇城中的蒋介石猝不及防,仓皇出逃。红军绕贵阳西去,再次虚晃一枪剑指云南。林彪率领的前锋部队急行军攻到昆明城下,就在当地部队调防之时,红军北渡长江的道路已变得畅通无阻了。
我们还是尽量沿着毛泽东和李德(奥托·布劳恩)所率领的主力部队的路线行进。在我们的第一段旅途中还随处可见的纪念馆和博物馆,在这条路线上已经几乎难觅踪迹。红军渡江遗址甚至已被水电站蓄水库区所淹没,而新馆及其周边道路仍尚未竣工。在经过落差近1500米的长下坡后,我们几乎一路冲到江边,却在过桥后首次遭遇了路障。作为重走长征路的骑行者,我们居然获许破例通行!红军当年也曾依靠奇袭占领这一渡口,并在几番冲锋失败后最终横渡长江。
与此同时,我们也在与技术故障作斗争。途中折损了一根链条和几根辐条。四川的西昌是我们的补给站。我们在戴先生的自行车行里购得新链条和轮胎,并与这位已在此经营三十年的店主聊天。他给了我们许多实用的建议,并表示乐意在我们出现问题时提供帮助。
可里斯在贵州省兴义市接受中文课程辅导
Christian erhält Chinesisch-Nachhilfeunterricht in Xingyi in der Provinz Guiyhou
西昌历史上是彝族人的首府。彝族原本是一个骁勇善战的民族,20世纪50年代时仍处于几乎与世隔绝的状态,汉人也对其相当敬畏。红军长征途经此地时,司令员刘伯承与彝族首领小叶丹歃血为盟,红军终于得以安全北上,不过紧接着横亘在他们面前的大宁河又是一道难以逾越的天堑。
大宁河也给我们出了一道难题。由于山体滑坡,长达十余公里的道路无法通行——至少警察是这么认为的。吃早饭时,一家小面馆的老板似乎更熟悉情况,他给我们指了一条小路。既然摩托车可以从那里通行,那么自行车也应当不成问题!这条路线需要经过一个高高的山口,道路泥泞不堪,而且还下着大雨。护林员起先还协助我们顺利上山,并给我们指明正确的岔路,但后来他们也与随后赶来的警察一样,试图劝阻我们放弃计划。这当然是明智之举,但光靠理性又怎能完成长征!我们凭借最后的体力和电量,成功返回大宁河谷,并最终到达著名的泸定桥。红军曾在强行军后飞夺泸定桥,而如今在晃得厉害的桥身上走动的则是数百名游客。
通过泸定桥的道路艰险,仿佛重现了长征的艰苦历程
Ähnlich beschwerlich wie der Lange Marsch ist auch der Weg zur Luding-Brücke
雪山与沼泽
海拔4114米的夹金山是我们此行的海拔最高点。山谷中正在修建一条隧道,建成后可以减省30公里的路程和1500米的落差。既然隧道尚未完工,我们也就无需在长征路线和便利性之间纠结了。
骑行者们翻越“夹金山”,这是他们征服横断山脉的第一座雪山,山口海拔高达4114米,胜利在望
Fast geschafft: Die Radler erklimmen mit dem "Jiajin shan" den ersten Schneeberg des Hengduan Gebirges. Der Pass liegt auf 4114 Höhenmetern.
当年的红军可以说完全没有做好应对旅途艰险的准备。令我们吃惊的是,战士们在没有冬装、穿着草鞋的情况下,仍然在白雪皑皑的山间小道上艰难行进。而我们虽然骑着电动自行车,身穿现代化的冲锋衣,却已经有了接近极限的感觉。在面对一望无际、表面看上去平静无虞的沼泽地时,我们只能庆幸现在已经修建起了一条宽阔的道路。川北地区以藏族人口为主,这里完备的基础设施给我们留下了深刻的印象。30年前只有牦牛吃草的地方,如今牦牛已在川青铁路两旁吃草。
骑行途中,他们在四川若尔盖附近海拔3200米的毡房里,体验了冰冷的夜晚
Eiskalte Unterkunft - in den Jurten auf 3200 Metern Höhe in der Nähe von Zoige in Sichuan.
一路上需要克服无数的困难与障碍
Hindernisse galt es zahlreiche zu überwinden
穿越黄土区
我们在绵延不断且崎岖的黄土地上不时经过十分陡峭的上下坡,我们的电动自行车也因细细的黄土侵入而问题不断。就在距离长征历史上正式的终点——吴起镇——仅有两天路程的地方,我们有一台电机发生了故障。于是我们没有翻山越岭直奔吴起镇,而是增加了一站,比原定计划提前四天到达陕甘苏区首府延安。此时的我们已经走完漫长的征程:行程共计98天,跋涉6572.6公里,累计升降海拔80700米。
在延安,我们遇到一位英文名叫“Bryce”的地陪——李燕鹏。他英语流利,说自己很高兴能与作家们同行,并带我们参观了许多“红色”景点:延安宝塔山、延安革命纪念馆以及毛泽东和周恩来居住过的窑洞。不过,李德住过的窑洞既没有被修复,也没有被标记出来。对李德颇为痴迷的可里斯又在延安多逗留了几天,想要寻觅李德旧日的足迹,并最终在延安新闻纪念馆中发现了一座他的雕像。
关于长征的纪念碑有很多,这座位于藏区的草原上
Denkmäler, die an den Langen Marsch erinnern, gibt es viele. Dieses steht im tibetischen Grasland.
骑行长征之后还有什么?
此行除了让我们对红军的壮举肃然起敬之外,还让我们遇见了许多有趣的人,其中既有重走长征路的朝圣者,也有度假者、餐馆老板和骑行爱好者。因此,我们也与热情的中国人留下了大约500张自拍合影。当然还有我们的游记,它将于2025年初秋在乌尔斯坦出版社问世。
Im Herbst 2023 und Frühjahr 2024 radelten Christian Y. Schmidt und Volker Häring mit E-Bikes auf der Route des Langen Marsches (1934/35). Von Oktober bis Dezember 2023 hatten sie knapp 3.000 Kilometer von Ruijin in Jiangxi bis nach Zunyi in der Provinz Guizhou zurückgelegt (siehe KI-Magazin 2024-02). Nach einer kurzen Winterpause ging es Anfang März auf die zweite, 4.000 Kilometer lange Etappe von Zunyi nach Yan‘an. Auf der Route überquerten sie sowohl den Yangzi als auch mehrere hohe Himalaya-Pässe. Auf dem tibetischen Hochland warteten die berüchtigten Sümpfe des Graslandes auf die beiden Radler. Eine extreme Herausforderung für Mensch und Material. Ende Mai 2024 erreichten sie ihr Ziel Yan’an in der Provinz Shaanxi.
Zurück in Zunyi
Es fühlt sich gut an, fast wie zu Hause. Auf unterschiedlichen Wegen sind wir zurück nach China gereist. Christian von Berlin nach Chengdu, ich von Bangkok nach Kunming und von dort jeweils weiter mit dem Zug nach Zunyi. Es ist deutlich wärmer als bei unserer Abreise im Dezember. Aber sind die Räder noch da? Wir hatten sie im Keller des Hotels abgestellt, zwischen altem Mobiliar, Werkzeugen und Ersatzteilen. Was, wenn das Personal gewechselt hat und sich keiner mehr an uns erinnert? Die Räder als herrenlos betrachtet wurden? Was ist mit den Akkus? Funktionieren sie auch noch nach drei Monaten Pause? Die Erleichterung: Pförtner Zhao begrüßt uns enthusiastisch an der Rezeption: „Euren Rädern geht es gut!“ ist sein zweiter Satz. Und tatsächlich, sie sind in gutem Zustand, werden im Radladen unseres Vertrauens gecheckt und mit neuen Gepäckträgern versehen. Sie kann also losgehen, unsere zweite Etappe auf den Spuren des Langen Marsches.
Täuschungsmanöver und Radschäden
Von Zunyi marschierte die Rote Armee im Januar 1935 zuerst südwärts, überquerte ein weiteres Mal den Wu-Fluss und täuschte einen Angriff auf Guiyang an. Chiang Kai-shek, der sich in der nur unzureichend gesicherten Stadt befand, floh. Die Rote Armee ließ Guiyang links liegen und schwenkte dann in einer weiteren Finte nach Westen, Richtung Yunnan. Ein Gewaltmarsch führte eine Vorhut unter Lin Biao bis vor die Tore Kunmings. Während sich die lokalen Truppen auf die Verteidigung der Stadt einstellten, war der Weg für die Rote Armee frei nach Norden in Richtung Yangzi vorzustoßen.
Wir halten uns natürlich, so weit wie möglich und heute noch nachvollziehbar, an die Originalroute der Hauptgruppe um Mao Zedong und Otto Braun. Die Gedenkstätten und Museen, auf die wir während der ersten Etappe fast täglich trafen, sind nun spärlicher gesät. Das Museum zur Überquerung des Yangzi ist sogar einem Stausee zum Opfer gefallen, der Neubau noch nicht fertig. Die Straße auch noch nicht. In epischer Schussfahrt geht es fast 1.500 Höhenmeter hinunter zum Fluss, über eine Brücke – dann stehen wir erst einmal vor einer Straßensperre. Aber für Lange-Marsch-Radler wird eine Ausnahme gemacht, wir dürfen weiterradeln! Auch die Rote Armee nahm diese Fährstelle im Handstreich und hatte so nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich den Yangzi überquert.
Wir kämpfen derweil mit der Technik. Eine Kette reißt, mehrere Speichen brechen. Die Stadt Xichang in Sichuan ist unser Boxenstopp. Im Radladen von Herrn Dai gibt es neue Ketten und Laufräder und einen Plausch mit dem Besitzer, der den Laden schon seit 30 Jahren betreibt, uns viele gute Tipps gibt und Hilfe anbietet, falls etwas schiefgehen sollte.
Xichang ist die historische Hauptstadt der Volksgruppe der Yi, ein ehemals recht kriegerisches Volk, das sich bis in die 1950er Jahre seine Eigenständigkeit bewahrt hatte und von den Han-Chinesen gefürchtet wurde. Erst nachdem Stabschef Liu Bocheng mit dem Anführer der Yi, Xiao Yedan, auf Blutsbrüderschaft getrunken hatte, erhielt die Rote Armee freies Geleit Richtung Norden, wo mit dem Daning-Fluss ein weiteres schwer zu überwindendes Hindernis wartete.
Der Daning scheint auch für uns ein großes Problem zu werden. Die Straße ist auf mehr als zehn Kilometern durch einen Erdrutsch unpassierbar. Meint jedenfalls die Polizei. Beim Frühstück weiß es der Besitzer eines kleinen Nudelrestaurants besser und zeigt uns eine Alternative. Kein Problem für Motorräder, dann sollte das auch mit Fahrrädern gehen! Die Strecke führt über einen hohen Pass, die Straße ist eine Schlammpiste und es schüttet. Die Forstverwaltung passt auf, dass wir gut den Berg hinaufkommen und zeigt uns den richtigen Abzweig, will uns dann aber ebenso wie die dazu gerufene Polizei von unserem Vorhaben abbringen. Was sicherlich vernünftig ist – aber mit Vernunft absolviert man keinen Langen Marsch! Mit letzter Kraft und leerem Akku schaffen wir es zurück ins Daning-Tal und schließlich zur berühmten Luding-Brücke im gleichnamigen Ort. Die Rote Armee eroberte die Brücke nach einem Gewaltmarsch im Handstreich. Heute schaukeln hunderte Touristen über die gefährlich schwingende Brücke.
Schneeberge und Sümpfe
4.114 Meter! Das ist der höchste Punkt unserer Tour, der Jiajin-Schneeberg. Im Tal wird ein Tunnel gebaut, dieser wird bald 30 Kilometer und 1.500 Höhenmeter abkürzen. Dass er noch nicht fertiggestellt ist, erspart uns die Diskussion Lange-Marsch-Route gegen Bequemlichkeit.
Die Rote Armee war auf die Strapazen kaum vorbereitet. Wir können nur staunen, dass die Soldaten mit Strohsandalen und ohne Winterkleidung auf Bergpfaden durch den Schnee stapften, wo wir mit unseren Pedelecs und eingemummt in moderne Funktionskleidung an unsere Grenzen kommen. Auch beim Anblick der Sümpfe, die sich trügerisch friedlich bis zum Horizont ziehen, sind wir froh, dass es inzwischen eine gut ausgebaute Straße gibt. Generell sind wir beeindruckt von der exzellenten Infrastruktur in Nord-Sichuan, das vor allen Dingen von Tibetern bewohnt wird. Wo vor 30 Jahren nur Yaks grasten, weiden sie heute unter der neugebauten Schnellbahntrasse zwischen Chengdu und Xining.
Durch das Lößgebiet
Es ist ein ewiges, teils sehr steiles Auf und Ab durch das zerklüftete Lößgebiet und unseren Pedelecs bekommt der feine Löß nicht unbedingt. Zwei Etappen vor Wuqi, dem offiziellen Ende des historischen Langen Marsches, gibt einer der Motoren den Geist auf. Wir planen eine Etappe mehr ein und verzichten auf den direkten Weg nach Wuqi, der über die Berge führt und erreichen – vier Tage vor geplanter Ankunft – Yan’an, die ehemalige Hauptstadt des Shaanxi-Sowjets. Hinter uns liegt eine gewaltige Tour: 98 Tagesetappen, 6.572,6 Kilometer und 80.700 Höhenmeter.
In Yan’an haben wir mit Li Yanpeng, der sich Bryce nennt, einen ausgezeichnet Englisch sprechenden lokalen Betreuer. Er freut sich riesig, mit Schriftstellern unterwegs zu sein und führt uns zu den „roten“ Sehenswürdigkeiten: zur Baota-Pagode, zur Revolutionsgedenkhalle sowie zu den Wohnhöhlen Mao Zedongs und Zhou Enlais. Otto Brauns Höhle allerdings ist weder restauriert noch gekennzeichnet. Christian, der Otto-Braun-Enthusiast von uns beiden, bleibt für die Spurensuche noch ein paar Extratage in Yan’an und findet immerhin eine Statue Brauns in der Yan'an News Memorial Hall.
Was bleibt von unserem Langen Fahrradmarsch?
Neben dem Respekt für das epische Unterfangen der Roten Armee sind es unzählige Begegnungen mit faszinierenden Personen, Lange-Marsch-Pilgern, Urlaubern, Restaurantbesitzern und anderen Radfahrern. Ebenso etwa 500 Selfies mit begeisterten Chinesen. Und natürlich unser Reisebericht, der im Frühherbst 2025 als Buch im Ullstein Verlag erscheinen wird.
