中国书法漫谈(之二):从“文房四宝”到比较书法研究——选自《孔子学院》中德文对照版
2025-07-10
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学习中国文化有三条重要的路径,其一是研读经典,领悟价值理念;其二是融入生活,品味烟火日常;其三是学习艺术,理解中式美学。而学习中国书法,正属于这第三条路径。
上一节我们谈到,中国书法是一种融入美学的艺术。一笔一画,不仅展现了线条的质感与力度,还显示了汉字的精妙结构:书法中的笔法包含着哲学的内涵——露与藏、正与侧、刚与柔、实与虚。
随着书体的演变,中国书法在晋代至唐代发展出了灵动流畅的笔触,亦方亦圆,亦静亦动,亦分亦连,实现了“笔法自由”——这集中体现在炉火纯青的草书之中。尤其是怀素的《苦笋帖》,这是一份千年前的信笺,草中带行,线条圆浑劲挺,笔触婉转秀健,深得王羲之和王献之笔法的精神。
怀素《苦笋帖》
Huaisus »Bittere Bambussprossen«
书法工具
写书法的标配是“文房四宝”——笔、墨、纸、砚。
排在首位的便是毛笔,笔头由动物毛发制成,工艺可分三种:羊毫、狼毫和兼毫。羊毫软,弹性大,适合写正书大字;狼毫硬,弹性小,适合写行草小字;兼毫,兼羊毫、狼毫之长,软硬弹性适中。如果和硬笔(如铅笔、钢笔、水笔等笔尖坚硬的笔)做对比,人们更能发现毛笔的独特之处。毛笔弹性大,线条粗细变化大,更能呈现立体感,既可以含蓄藏锋,也可以八面出锋。
墨分两种:墨汁(液体)和墨块(固体),至于松烟墨和油烟墨的区分,不是那么重要。中国书法最重要的就是笔墨配合,毛笔不像钢笔是均匀地出墨水,毛笔的均匀运动(平动)其实很少,大部分时间是在快速地摆动、绞转、提按和翻折。线条不光有粗细的变化,还有浓、淡、枯、湿的变化——这就是笔、墨、水的配合以及比例问题了。所以,书写之时,除了笔、墨还要有一个水盂(或者笔洗)备用,先蘸水,再蘸浓墨,笔下线条方有变化,显得生动有韵味。
纸即宣纸,是安徽宣城特产,可分为生宣和熟宣。生宣吸水快,渗墨快,适合写正书大字;熟宣吸水慢,渗墨慢,适合写行草书和工稳的小楷。初学者可选择半生半熟的宣纸,方便控笔。注意,日常办公用的A4复印纸(一般为70g/m2),纸面光滑,既不渗墨,又不驻笔,不适合写毛笔书法。
砚台以石质为主,著名的有端砚(广东)、歙砚(安徽)、洮砚(甘肃)等,“砚者研也”(刘熙《释名》),就是研磨墨块以生成墨汁,既是工具也是容器。
此外,毡子和笔洗等也非常实用。外国朋友学习书法,可以简化文具。毛笔和宣纸必不可少,先备一支兼毫笔,中号或小号,软硬适中,大小合适,方便控笔。宣纸较贵,平时练习就用毛边纸、元书纸以降低成本。墨块换成墨汁,砚台就用小碟子代替,方便快捷。笔洗即洗笔的器皿,用塑料小盆、小瓶甚至纸杯都可以。毡子最好是羊毛毡(有的带米字格、田字格,文具店都有售),或者就用几张旧报纸垫在宣纸下面也可以,中国文化很讲究变通。工具齐了,就可以尽快进入操练环节。
比较书法学
其实,各国各民族都致力把自己的文字写得精美。比如欧洲语文也曾有誊抄的传统,只是后来被印刷业、金属笔尖和打字机所取代。由于作品幅面较小,一般也不会作为艺术品来悬挂展示和欣赏。基于汉字的书法和基于字母的书法,从书写工具、书写材质开始,就各具风格和特色,从而走上了迥异的文化道路。
日本、朝鲜、韩国、越南等国同属东亚的“汉字文化圈”,受汉字和毛笔的影响最大,故而保留了用毛笔书写的习惯。书法,在日本叫“书道”,在韩国叫“书艺”。这些国家的书法家,既能写汉字,也能写本国文字。这是中国书法走出国门的对外交流成果,书法也逐渐走向广义的概念,其内涵和外延都在扩大。
英文也有书法,但主要是美术字体的设计,像哥特体就能营造出哈利·波特魔法世界的神秘。阿拉伯文、土耳其文等也有书法,也形成了丰富的字体,像库法体就最能传递出伊斯兰文化的神韵……各种文字的书写,都能传递美好的寓意,因此,书法也是具有世界性的艺术门类。
各国的书法艺术家具有相通的艺术语言,可以对话和切磋。享誉世界的现代艺术家毕加索对中国书法一见倾心。他说过,“假如生活在中国,我一定是个书法家,而不是画家”。他通过西方绘画之眼,看到了中国书法的抽象之美,并深深为之着迷。
我们在上一节增加的笔画“弯”,正不断得到字母文字书法的佐证。欧洲的书写者大量使用弧线,越南的书法家用毛笔写拉丁字母,大量出现弧线用笔。其实,汉字的篆书、隶书、草书、行书都保留了大量弧形笔画和线条(对应“绞转”笔法),只是在楷书(尤其是作为印刷体的宋体)中,弧线不明显罢了。可以说,找到汉字书法中的弧线,就打开了和世界文字书法对话的一扇窗口。
Das Erlernen der chinesischen Kultur kann im Wesentlichen auf drei Wegen erfolgen: Erstens durch das Studium der klassischen Schriften, um ihre Werte und Ideale zu erfassen; zweitens durch die Integration in den Alltag, um in den Genuss ihres Facettenreichtums zu kommen; und drittens durch das Studium der Kunst, um die chinesische Ästhetik zu verstehen. Das Erlernen der chinesischen Kalligrafie gehört zu dieser dritten Kategorie.
In Teil 1 dieses Aufsatzes sprachen wir darüber, dass die chinesische Kalligrafie eine tief in der Ästhetik verwurzelte Kunstform ist. Ein Pinselstrich offenbart nicht nur die Beschaffenheit und Stärke der Linie, sondern auch die raffinierte Struktur der chinesischen Schriftzeichen. Die Pinselführung in der Kalligrafie ist von philosophischen Prinzipien durchdrungen – das Zusammenspiel von Sichtbarem und Verborgenem, Geradlinigkeit und Schrägstellung, Festigkeit und Sanftheit, Fülle und Leere.
Mit der Entwicklung der Schriftformen bildete sich in der chinesischen Kalligrafie von der Jin- bis zur Tang-Dynastie (265–907) eine fließend-dynamische Pinseltechnik heraus. Sie vereint Winkel und Rundungen, Ruhe und Bewegung, Trennung und Verbindung – und verwirklicht auf diese Weise die „Freiheit des Pinselstrichs“. Dies findet besonderen Ausdruck in der meisterhaften Kursivschrift. Ein herausragendes Beispiel ist Huaisus (737–799) mehr als tausend Jahre altes Werk „Bittere Bambussprossen“. Ursprünglich als Brief verfasst, erscheint die kursive Pinselführung abgerundet und kräftig, mit Strichen voller Anmut und Eleganz, getragen vom Geist der Schreibkunst der Meister der Kalligrafie Wang Xizhi und Wang Xianzhi.
Die Schreibwerkzeuge der Kalligrafie
Die Grundausstattung in der Kalligrafie besteht aus den sogenannten „vier Schätzen des Studierzimmers“ – Pinsel, Tusche, Papier und Reibstein. Das wichtigste Werkzeug ist der Pinsel, dessen Spitze aus Tierhaaren gefertigt wird. Man unterscheidet drei Haupttypen von Pinseln: Ziegenhaarpinsel (yángháo 羊毫), die sich mit ihrer weichen und elastischen Pinselspitze ideal für große Schriftzeichen in Regelschrift eignen; sogenannte „Wolfshaarpinsel“ (lángháo 狼毫), die von festerer und weniger elastischer Beschaffenheit sind und für kleine Schriftzeichen in Kursivschrift verwendet werden; und Mischhaarpinsel (jiānháo 兼毫), eine Kombination aus Ziegen- und Wolfshaarpinsel, die durch ihren mittleren Grad an Weichheit und Elastizität besonders vielseitig ist. Im Vergleich mit „harten“ Schreibwerkzeugen wie Bleistift oder Füllfederhalter, tritt die Besonderheit des Pinsels besonders deutlich zutage: Pinsel sind flexibler, erlauben eine Vielfalt an Strichstärken und erzeugen eine plastische Tiefe. Der Pinsel kann sowohl diskret seine Spitze verbergen (cángfēng 藏锋) als auch jede seiner acht Seiten nutzen (bāmiàn chūfēng 八面出锋).
Die Tusche existiert entweder in flüssiger Form (mòzhī 墨汁) oder als feste Reibetusche (mòkuài 墨块). Die Wahl zwischen Tusche aus Kiefernholzruß (sōngyān mò 松烟墨) und Tusche aus Ölruß (yóuyān mò 油烟墨) ist hingegen weniger entscheidend. Das wesentliche Element der chinesischen Kalligrafie ist die perfekte Abstimmung von Pinsel und Tusche. Anders als bei Füllfedern erfolgt der Tintenfluss nicht gleichmäßig. Die gleichmäßige Bewegung des Pinsels ist in der Tat eher selten. Meist werden Schwünge, Drehungen, Hebungen, Druckvariationen und Richtungswechsel vollzogen. Dadurch entstehen nicht nur Unterschiede in der Strichstärke, sondern auch Abstufungen in Intensität und Feuchtigkeit. Deshalb sollte man neben Pinsel und Tusche auch stets einen Wasserbehälter oder ein Pinselwaschgefäß zur Hand haben. Vor dem Auftrag der Tusche wird der Pinsel in Wasser getaucht, um lebendige und ausdrucksstarke Linien zu erzeugen.
Für die Kalligrafie wird in der Regel Xuan-Papier, eine Spezialanfertigung aus Xuancheng in der Provinz Anhui, verwendet. Es kann in zwei Hauptarten unterteilt werden: unbehandeltes Xuan-Papier (shēngxuān 生宣), das sehr saugfähig ist und sich für große Schriftzeichen in Regelschrift eignet; und behandeltes Xuan-Papier (shúxuān 熟宣), das Wasser langsamer aufnimmt, Tinte langsam durchsickern lässt und aufgrund dieser Eigenschaften ideal für feine, kleine und detaillierte Schriftzeichen in Kursivschrift ist. Anfänger:innen können zu halb behandeltem Papier greifen, das eine bessere Kontrolle des Pinsels zulässt. Gewöhnliches, A4-formatiges Büropapier (in der Regel 70g/m²) ist hingegen ungeeignet, da es weder Tusche aufnimmt noch den Pinselstrich zur Geltung bringt.
Der Reibstein (yàntái 砚台) besteht meist aus Stein und dient zum Zerreiben fester Tusche. Berühmte Sorten sind der Duan-Stein (duānyàn 端砚) aus Guangdong, der She-Stein (shèyàn 歙砚) aus Anhui und der Tao-Stein (táoyàn 洮砚) aus Gansu. Die Erläuterung im lexikalisch-semantischen Werk (shìmíng 释名) des Han-zeitlichen Gelehrten Liu Xi (Kaiser Xian von Han, 181–234) sagt aus, dass der Reibstein bei der Erzeugung von Tinte sowohl Werkzeug als auch Behälter ist. Eine gute Ausstattung kann durch eine Filzunterlage oder Zeitungspapier als Unterlage ergänzt werden. Ausländer:innen, die sich in der Kalligrafie üben, können auf eine einfache Ausstattung zurückgreifen. Pinsel und Xuan-Papier sind unverzichtbar. Für den Start genügt ein mittelgroßer oder kleiner Mischhaarpinsel von mittlerer Härte und passender Größe, um gute Kontrolle der Pinselführung zu gewährleisten. Xuan-Papier ist vergleichsweise teuer, sodass zum Üben in der Regel preisgünstigeres Bambuspapier (máobiānzhǐ 毛边纸 oder yuánshūzhǐ 元书纸) zum Einsatz kommt. Die Reibetusche kann durch flüssige Tinte ersetzt und anstelle des Reibsteins eine kleine Schale verwendet werden. Diese Maßnahmen sind nicht nur praktisch, sondern auch zeitsparend. Als Pinselwaschgefäß können ein kleiner Plastikbecher, eine kleine Flasche oder sogar ein Pappbecher dienen. Die Filzunterlage ist idealerweise aus Wollfilz. Sie sind in Schreibwarengeschäften erhältlich und zum Teil mit verschiedenen Rastern versehen. Aber auch alte Zeitungen, die unter das Xuan-Papier gelegt werden, können als Unterlage verwendet werden – die chinesische Kultur ist sehr anpassungsfähig. Sobald alle Werkzeuge bereitliegen, kann das Üben beginnen.
Vergleichende Kalligrafiestudien
Jede Kultur strebt danach, ihre Schrift kunstvoll zu gestalten. In Europa gab es beispielsweise eine lange Tradition des handschriftlichen Kopierens von Texten, die jedoch durch den Buchdruck und den Einsatz von Metallfedern und Schreibmaschinen abgelöst wurde. Da europäische Schriftkunst meist von kleinem Format ist, wird sie nur selten hängend als Kunstwerk präsentiert und gewürdigt. Die auf chinesischen Schriftzeichen und die auf Alphabeten basierenden Kalligrafien verfügen jeweils über ihre eigenen Stile und spezifischen Merkmale. Ausgehend von den unterschiedlichen verwendeten Schreibwerkzeugen und Materialien haben sie verschiedene kulturelle Wege eingeschlagen.
Japan, Korea und Vietnam gehören dem ostasiatischen „Kulturkreis chinesischer Schriftzeichen“ an und haben sich durch den starken Einfluss chinesischer Schriftzeichen und des Einsatzes von Pinseln die Tradition der Kalligrafie und Pinselführung bewahrt. In Japan kennt man diese Kunst unter dem Begriff „Shodō“, in Korea wird sie „Seoye“ genannt. Die Kalligraf:innen dieser Länder beherrschen sowohl chinesische Schriftzeichen als auch ihre eigenen nationalen Schriften. Dies veranschaulicht, wie die Kalligrafie auch jenseits Chinas im Dialog mit dem Ausland Früchte trägt und sich allmählich zu einem umfassenden Konzept entwickelt, das weiter an Bedeutung und Ausdehnung zunimmt.
Auch in England gibt es Kalligrafie. Diese widmet sich jedoch vor allem der kunstvollen Typografie. Beispielsweise in Form der gotischen Schrift, welche die mystische Atmosphäre der magischen Welt Harry Potters entstehen lassen kann. Auch in der arabischsprachigen und türkischsprachigen Welt sowie in anderen Regionen gibt es reiche Traditionen der Kalligrafie mit Formen wie beispielsweise der kufischen Schrift, die den Geist der islamischen Kultur eindrucksvoll vermittelt. Das Schreiben aller Arten von Schriftzeichen vermittelt eine bewundernswerte Symbolik. Aus diesem Grund ist die Kalligrafie eine Kunstform mit weltweiter Anziehungskraft.
Kalligrafiekünstler:innen aller Länder verfügen über eine gemeinsame Sprache der Kunst und können miteinander in Dialog und Ideenaustausch treten. Der weltberühmte Künstler der Moderne Pablo Picasso war auf den ersten Blick von der chinesischen Kalligrafie begeistert. Er sagte einst: „Würde ich in China leben, wäre ich Kalligraf, nicht Maler.“ Er blickte mit den Augen der westlichen Malerei auf die abstrakte Ästhetik der chinesischen Kunst und war zutiefst von dieser fasziniert.
Der „Bogen“ (wān 弯), den wir in Teil 1 besprochen hatten, wird von der Kalligrafie der alphabetischen Schriften fortlaufend gestützt. Europäische sowie auch vietnamesische Kalligraf:innen verwenden beim Schreiben lateinischer Buchstaben in großem Ausmaß geschwungene Linien. Tatsächlich weisen Siegelschrift, Kanzleischrift, Konzeptschrift und Kursivschrift alle eine große Anzahl geschwungener Striche und Linien auf, entsprechend der „Drehung“ (jiǎozhuǎn 绞转), also der „drehenden Pinselführung“. Nur in der Regelschrift, insbesondere bei der gedruckten Form der Song-Schrift, sind die Kurven nicht augenscheinlich. Man kann sagen, dass die Entdeckung des Bogens in der chinesischen Kalligrafie ein Fenster des weltweiten Dialogs der Schriftkunst öffnet.
